Waschmaschine und Hygiene:Baumwolle statt Synthetikschlüpfer

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Eine Wäsche bei 30 Grad fördere Krankheitserreger mehr als es sie im Wachstum bremst, erklärt der Biofilmexperte Hans-Curt Flemming von der Universität Duisburg. "Wir tun im Grunde alles dafür, dass es den Mikroorganismen in der Wäsche gutgeht."

Reinigungsmittel ernähren Mikroben

Die modernen Reinigungsrezepturen seien dermaßen mild, dass man sie mit Konservierungsmitteln vor dem Verderben schützen müsse. Seit Jahrzehnten ist vorgeschrieben, dass Waschmittel in der Kläranlage biologisch abbaubar zu sein haben. Das heißt aber auch: Mikroben auf den Klamotten können sich von den Reinigungsmitteln ernähren. Flemming empfiehlt nach dem Gebrauch von Flüssigwaschmitteln, die Wäsche besonders gut durchzuspülen, damit sich keine Bakterienkolonien in den Detergenz-Resten ansiedeln können. Als Keimtöter könnte man auch die Sonne für sich arbeiten lassen, rät er, "die Hitze und das UV-Licht bekommen den Mikroben nicht."

Exner, Flemming und andere Kollegen betonen aber auch, Anlass zur Panik gebe es derzeit nicht. "Wenn alle Mitglieder des Haushalts gesund sind und die Waschmaschine ab und zu gereinigt wird, besteht kein Grund zur Sorge", sagt Thomas Hauer. Schon gar nicht sollte man ohne schwerwiegenden Grund zu desinfizierenden Hygienespülern greifen. "Die größere Umweltbelastung und das allergische Risiko stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen." Eine 60 Grad Wäsche mit Vollwaschmittel genüge vollauf, um mit den meisten Bakterien und Pilzen fertig zu werden.

Bei Durchfall Robustes

Dieser Empfehlung schließen sich auch Waschmittelhersteller an "Flecklösende Enzyme schaffen ihre Arbeit auch bei niedrigen Temperaturen", sagt Dirk Bockmühl aus der Entwicklungsabteilung für Wasch- und Reinigungsmittel bei Henkel. "Wenn es um die Wäsche von Kranken geht, empfehlen wir jedoch höhere Temperaturen und auch ein bleichmittelhaltiges Pulver". Der Trend zur lauwarmen Wäsche werde jedoch nicht nur vom Umweltschutzgedanken geleitet, sondern auch von den Textilherstellern diktiert, sagt der Mikrobiologe: "Die Industrie gibt vor, dass viele neue Gewebe nur noch 30 Grad aushalten."

Wer auf empfindliche Seidendessous oder Synthetikschlüpfer dennoch nicht verzichten will, sollte sie wenigstens im Schrank lassen, wenn er krank ist, empfiehlt Martin Exner. Bei Durchfallerkrankungen oder Pilzen seien "robustere Textilien" angeraten. Baumwollunterhosen zum Beispiel.

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