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Was in der Patientenverfügung stehen muss:Beratung hilft, konkret zu werden

Solche Situationen gedanklich durchzuspielen, ist schwierig, wenn man noch ganz gesund ist. Zum einen, weil sie am Tabuthema Sterben und Tod rühren, zum anderen, weil der Laie die verschiedenen möglichen Situationen und damit verbundenen Behandlungsoptionen gar nicht kennt. Experten raten deshalb einhellig, sich über die Konsequenzen seiner Festlegungen beraten zu lassen, von einem Arzt beispielsweise oder von Mitarbeitern eines Hospizdienstes. (Wo Sie geeignete Ansprechpartner finden, erfahren Sie hier).

Wer bereits unter einer schweren Krankheit leidet, spricht am besten seine behandelnden Ärzte auf das Thema Patientenverfügung an, damit diese auch wirklich die Behandlungsmöglichkeiten abdeckt, die im weiteren Verlauf zur Diskussion stehen werden - und zu denen man sich dann möglicherweise nicht mehr selbst äußern kann.

"Bei einem gesunden Menschen wird die Patientenverfügung sicher allgemeiner formuliert sein als bei einem Patienten, bei dem der Verlauf der Erkrankung schon absehbar ist", sagt Benno Bolze, Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands. Wichtig ist, dass sie eine Richtung vorgibt, dass die Einstellung des Verfassers zum Thema Krankheit und Sterben für den Arzt erkennbar wird, betont der Medizinethiker Arnd May vom Zentrum für Angewandte Ethik in Recklinghausen.

Persönliche Wertevorstellungen können bei ungeahnten Entscheidungen helfen

May rät, in der Patientenverfügung auch die persönlichen Wertvorstellungen zu formulieren. Das kann in einem Anhang geschehen, der sich mit Fragen zur persönlichen Lebensqualität, zu Erwartungen und Ängsten auseinandersetzt: Empfinde ich mein Leben als gelungen oder habe ich viele unerfüllte Wünsche? Wie bin ich bisher mit leidvollen Erfahrungen umgegangen? Habe ich Angst, anderen Menschen zur Last zu fallen? Was bedeutet mir Religion?

Diese Informationen helfen auch weiter, wenn die Patientenverfügung Unklarheiten oder Widersprüche enthält. Gerade bei Ankreuzformularen ist das häufig der Fall: "Da wurde auf der einen Seite angekreuzt, dass man keine Apparatemedizin möchte, und auf der nächsten Seite steht, dass man um Maximalbehandlung bittet", nennt Benno Bolze vom Deutschen Hospiz- und Palliativverband ein Beispiel.

Bei solchen widersprüchlichen oder fehlenden Informationen muss der behandelnde Arzt den tatsächlichen Willen des Patienten ermitteln. Hat dieser sich näher zu seinen Wertvorstellungen geäußert, ist das ein Anhaltspunkt. Auch Angehörige und Freunde werden dann befragt. Hat der Patient darüber gesprochen, ob er lebensverlängernde Maßnahmen wünscht? Welche Lebensqualität ist ihm wichtig? Vertraute Menschen sollten wissen, wie man in dieser Frage denkt: "Mit ihnen darüber zu sprechen, ist das Allerwichtigste", sagt Ralf Jox.

Nur Volljährige können eine Patientenverfügung verfassen. Für Kinder sieht das Gesetz ein solches Dokument nicht vor, obwohl Ärzte oft erleben, dass unheilbar kranke Kinder sehr genaue und auch realistische Vorstellungen davon haben, wie sie ihre letzte Lebenszeit verbringen wollen. Solche Äußerungen, so heißt es in einer Empfehlung der Bundesärztekammer, sollten deshalb bei Entscheidungen über die weitere Therapie durchaus beachtet werden. Einen Anspruch, wie bei der Patientenverfügung, gibt es jedoch nicht.