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Unbehandelte Milch:Idealer Nährboden für Bakterien

Durch das Erhitzen in den Molkereien gingen etwa fünf bis zehn Prozent verschiedener Vitamine verloren- ein Verlust, der bei ausgewogener Ernährung für die Gesundheit nicht relevant sei. Wer die Rohmilch wie empfohlen am heimischen Herd abkoche, verliere mehr Inhaltsstoffe. Wer darauf verzichtet, riskiert schwere Infektionen.

Denn die Milch, die so warm und frisch im Melkeimer landet, ist ein idealer Nährboden für Bakterien. Campylobacter, Kolibakterien, Salmonellen und Listerien gehören dazu. Im Sommer 2008 endete ein Ausflug zu einem Bauernhof in Niedersachsen für 25 Kinder eines Ferienlagers mit einer Magen-Darm-Infektion.

Ein Kind musste mit drohendem Nierenversagen auf der Intensivstation behandelt werden. Es war einer von zwei rohmilchbedingten Krankheitsausbrüchen, die dem Bundesinstitut für Risikobewertung in jenem Jahr gemeldet wurden. Das Institut registriert jährlich derartige Ausbrüche und warnt ausdrücklich vor dem Verzehr roher Milch.

Schutz vor Allergien umstritten

Eine schützende Wirkung der Rohmilch vor Allergien ist laut Meisel ebenfalls nicht bewiesen. Zwar haben einige Studien Hinweise darauf geliefert, dass Kleinkinder, die regelmäßig Rohmilch trinken, seltener Allergien entwickeln. Allerdings wurden überwiegend Kinder untersucht, die auf oder in unmittelbarer Nähe zu Bauernhöfen aufwuchsen. Damit sei es unklar, so Meisel, "ob nun die Milch oder die immunstimulierende Umgebung des Bauernhofes Ursache des geringeren Allergierisikos ist".

In den Bereich der Halbwahrheiten gehört auch die Beobachtung, dass Menschen mit Milcheiweiß-Allergie Rohmilch besser vertragen. "Tatsächlich gibt es diesen Effekt bei einigen wenigen Betroffenen", sagt Imke Reese, Ökotrophologin aus München. Doch sei die bessere Verträglichkeit in diesen Fällen meist darauf zurückzuführen, dass Rohmilch nicht homogenisiert ist.

Bei der Homogenisierung verteilten sich mit den Fettkügelchen auch die Eiweiße breiter in der Milch. Sie bieten den Immunzellen damit eine größere Oberfläche dar, was bei manchen Menschen zu einer überschießenden Immunantwort führen könnte, die Frischmilch nicht hervorrufe. Abhilfe schaffe in diesem Fall aber nicht nur Rohmilch, sondern jede nicht homogenisierte Milch.

Was von den Vorzügen der Rohmilch bleibt, ist ein sahniges Gefühl auf der Zunge. Es resultiert aus ihrem naturbelassenen Fettgehalt, der bei etwa vier Prozent liegt. Die Industrie trimmt hingegen den Fettgehalt ihrer Vollmilch auf künstliche 3,5 Prozent.