Vorsorge in der Schwangerschaft Schluss mit dem Baby-Kino!

Ultraschall für Schwangere: Wieviel ist genug?

(Foto: dpa)

Unnötige Ultraschall-Untersuchungen für Schwangere sollen bald verboten werden. Das ist richtig, denn mehr Einblick bringt noch lange nicht mehr Durchblick.

Kommentar von Werner Bartens

Dass im Mutterleib ein Kind entsteht, gehört zu den größten Wundern überhaupt. Kein Wunder ist es hingegen, dass viele werdende Eltern jeden Entwicklungsschritt und Bauchtritt ihres Nachwuchses mitverfolgen wollen. Immer öfter wird der Ultraschall in der Schwangerschaft deshalb nicht aus medizinischen Gründen nachgefragt, sondern einfach so, um einen Blick darauf zu werfen, wie das Kind gerade aussieht.

Dieses "Baby-Fernsehen" soll von Januar 2021 an untersagt werden. Frauenärzte argumentieren, dass eine Untersuchung mittels Ultraschall zwar generell harmlos sei, besonders bei den zeitaufwendigeren 3-D- und 4-D-Untersuchungen, bei häufigem Schall könne das Gewebe jedoch lokal um bis zu vier Grad erwärmt werden, mit bisher unklaren Folgen. Deshalb soll nun Schluss damit sein, "nur so" den Schallkopf auf den Bauch der Mutter zu halten.

Wer schützt die Frauen vor unnötigen Untersuchungen?

Dieser Vorstoß ist richtig und wichtig, auch wenn von den Krankenkassen schon seit Jahren nur drei Ultraschall-Untersuchungen während einer Schwangerschaft empfohlen und auch erstattet werden - es sei denn, aus medizinischen Gründen ist mehr angeraten. Genau hier liegt das Einfallstor für weiter anhaltenden Missbrauch.

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Bereits die Neuerung der 3-D- und 4-D-Bilder vor einigen Jahren brachte keinen zusätzlichen medizinischen Nutzen mit sich, sondern nur andere - manche sagen sogar deutlich hässlichere - Bilder vom Baby, getreu dem Motto: mehr Einblick ohne mehr Durchblick. Wenn der Arzt und die werdenden Eltern es wollen, lassen sich wohl auch von 2021 an leicht angebliche Gründe für weitere Ultraschalltests finden, um so die geplante Einschränkung zu unterlaufen.

Weit mehr Misstrauen gegenüber der Ultraschallverbotsinitiative ist allerdings angebracht, weil es so etwas wie eine normale Schwangerschaft kaum noch gibt. Bereits heute werden mehr als die Hälfte aller Schwangerschaften mit dem Etikett "Risikoschwangerschaft" versehen, etwa weil die Mutter schon etwas älter ist, ihre Blutwerte schwanken, das Baby etwas größer oder seine Lage im Bauch nicht ganz optimal ist. Wer schützt die Frauen davor, dass sie durch diese Pathologisierung weitaus mehr Untersuchungen in der Schwangerschaft über sich ergehen lassen müssen, als nötig wären?

Dass Ärzte vermehrt den Schutz der Frauen und Babys zu ihrem Anliegen machen und unnötige Tests und Therapien untersagen wollen, ist verdienstvoll. Dieses Ansinnen darf jedoch nicht nur in der Theorie überzeugend sein, sondern muss auch in der Praxis umgesetzt werden. Die Bewährungsprobe dafür steht noch aus. Angesichts der Krankrederei von Schwangeren in der jüngsten Vergangenheit ist dezente Skepsis mehr als angebracht.

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