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Transplantationsmedizin:Leben mit dem Kunstherz

KUNSTHERZ AUS DEN USA

Seit den 1960er-Jahren arbeiten Wissenschaftler an einem vollwertigen Ersatz für ein krankes menschliches Herz. Die Technik macht immer größere Fortschritte.

Thorsten Schobe braucht dringend ein Spenderherz - doch es gibt keins. Als er eines Tages aus der Narkose aufwacht, sagt seine Frau: "Du hast kein eigenes Herz mehr". Doch Schobe lebt.

Beinahe hätte Thorsten Schobel (Name geändert) den Februar 2015 nicht überlebt. Der damals 52-Jährige erlitt einen Herzinfarkt. Im Krankenhaus setzten ihm die Ärzte einen Stent ein - nur um kurz darauf festzustellen: Das Herz des Patienten hatte ein Loch, es zu flicken, schlug fehl. Thorsten Schobel brauchte dringend ein Spenderorgan, doch auf die Schnelle war kein passendes Herz verfügbar. Schließlich wurde er ins Evangelische Klinikum Niederrhein in Duisburg eingeliefert und operiert. Als er auf der Intensivstation aus der Narkose erwachte und die Augen öffnete, wartete seine Frau neben seinem Bett.

"Du hast kein eigenes Herz mehr", sagte sie. Thorsten Schobel reagierte geschockt: "Prima, habe ich damals gedacht, das ist jetzt dein Herz? Eine externe Pumpe? Ich konnte mir das erst gar nicht vorstellen." Doch es war so: In seinem Brustkorb arbeitet seitdem ein Kunstherz des US-Unternehmens Syncardia.

"Wenn ich das abschalte, ist er nicht mehr"

SZ-Autor Jochen Steiner erlebte berührende Geschichten, als er in französischen und deutschen Krankenhäusern und Forschungsinstituten recherchierte, wie Ingenieure und Mediziner an der Entwicklung neuer Kunstherzen arbeiten, die eines Tages auch kabellos per Induktion funktionieren sollen. Sie sind eine große Hoffnung für all jene Menschen, die bislang vergebens auf ein Spenderherz warten. Knapp 800 Patienten standen nämlich im Jahr 2015 in Deutschland auf der Warteliste, nur 286 konnten transplantiert werden.

Doch Jochen Steiner erfuhr auch, dass eine künstliche Blutpumpe immer eine seltsame Erfahrung für die Betroffenen bleiben wird. Patient Thorsten Schobel etwa musste sich erst an die Lautstärke des Kompressors gewöhnen, den er in einem kleinen Rucksack immer bei sich trägt: "Als ich das Kunstherz ganz neu hatte und wir zu Hause auf dem Balkon saßen, waren schon mal Nachbarn da und haben gefragt, ob wir Techno-Musik hören und ob wir das nicht leiser stellen können. Meine Frau hat sie nur angeguckt und gesagt, dass das nicht geht. ,Das ist die Pumpe, das Herz von meinem Mann, das da schlägt, wenn ich das abschalte, ist er nicht mehr'."

Lesen Sie die ganze Geschichte über das neue Herz von Thorsten Schobel mit SZ Plus.