Süddeutsche Zeitung

Transfusionsmedizin:Unsinnige Diskussion um Blutspenden

Das Blutspendeverbot für Homosexuelle ist ein wenig gelockert worden. Dass Schwulenverbände darüber eine Diskriminierungsdebatte vom Zaun brechen, ist grober Unfug.

Kommentar von Kim Björn Becker

Man kann nicht vorsichtig genug sein, ganz besonders nicht in der Medizin. Welcher Patient würde schon freiwillig ein Medikament nehmen, das kaum erprobt ist, oder zu einem Chirurgen gehen, der den Eingriff nur alle paar Wochen macht? Dieselbe Zurückhaltung galt lange auch bei Bluttransfusionen, jetzt wurde sie aus guten Gründen ein Stück weit aufgegeben.

Schwule Männer dürfen von nun an Blut spenden, wenn sie ein Jahr keinen Sex hatten. Die Bundesärztekammer hat die Regeln gelockert. Vorher waren Homosexuelle ganz ausgeschlossen, weil sie statistisch gesehen häufiger an HIV leiden als Heterosexuelle. Daran hat sich nicht viel geändert, nur kann man infizierte Blutproben heute besser erkennen - auch wenn die Tests einige Wochen brauchen. Es ist also vernünftig, dass die Kammer die Regelung behutsam anpasst.

Dass Schwulenverbände nun eine Diskriminierungsdebatte vom Zaun brechen, weil die Kammer nicht so weit gegangen ist, wie sie vielleicht könnte, ist grober Unfug. Dann könnte sich ein Interessenverband von promisken Partygängern auch gleich empören, denn für Menschen mit häufig wechselnden Partnern gilt beim Blutspenden dasselbe. Nein, hier steht kein Lebensentwurf zur Verhandlung wie bei der Ehe für alle. Es geht allein um den Schutz von Schwerkranken, die auf Bluttransfusionen angewiesen sind. Ihnen sind die Ärzte verpflichtet.

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Quelle:
SZ vom 09.08.2017
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