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Todesfälle nach Masernimpfung in Syrien:Tragische Verwechslung

In Syrien sind mindestens 15 Kinder durch verunreinigten Masernimpfstoff gestorben. Ein Fehler beim Anmischen des Serums scheint die Ursache zu sein. Kein Grund, der Impfung auch in Deutschland zu misstrauen.

Es scheint die Allerkleinsten getroffen zu haben. Mindestens 15 syrische Kinder - nach ersten Berichten alle unter 18 Monate alt - sind nach einer Masern-Impfung gestorben. Was wie neue Nahrung für Impfgegner wirkt, scheint auf eine einzelne, tragische Verwechslung zurückzugehen. Der Masern-Impfstoff besteht aus einem Pulver, das in einer Flüssigkeit aufgelöst wird. "In einem Kühlschrank lagerte dieses Lösungsmittel offenbar direkt neben einem Medikament zur Muskelentspannung. Es sieht so aus, dass beide Mittel verwechselt wurden", sagt ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation WHO. An zwei Einrichtungen im Norden des Landes seien diese Chargen dann ausgeliefert worden.

Das Muskelrelaxans Atracurium kann vor allem für kleine Kinder tödlich sein. Nach derzeitiger Kenntnis der WHO überlebten die älteren Kinder die Impfung mit dem verunreinigten Stoff. Aufschluss soll ein Expertenteam bringen, das die Behörde nach Syrien geschickt hat. Dies soll auch die Frage klären, ob es sich um einen Fehler oder womöglich um Sabotage gehandelt hat - was in den Wirren des Bürgerkriegs nicht auszuschließen ist. Dabei war der Kampf gegen die Masern in Syrien lange Zeit erfolgreich. 2011 lag die Impfrate bei 90 Prozent. Bis zum Frühjahr 2014 fiel sie durch den Zusammenbruch des Gesundheitssystems auf etwa 50 Prozent.

Unzureichende Impfraten stellen kein exklusives Problem instabiler Staaten dar. In Deutschland ist die für 2015 geplante Quote von 95 Prozent längst nicht erreicht. Es sind vor allem kursierende Gerüchte über Nebenwirkungen, die Eltern zurückschrecken lassen. Die Risiken von Impfkomplikationen werden dabei meist dramatisch übertrieben.

Realistischer sind hingegen Daten, die das Paul-Ehrlich-Institut im vergangenen Jahr veröffentlichte. Demnach wurde innerhalb von zwölf Jahren insgesamt 1700-mal der Verdacht auf eine Impfkomplikation gemeldet. Am häufigsten wurden Fieber und Ausschlag beobachtet. 15 Personen waren in den Tagen nach einer Masern-Immunisierung gestorben; ein Zusammenhang mit der Impfung konnte jedoch in keinem dieser Fälle hergestellt werden. Dagegen steht eine andere Zahl: Jeden Tag sterben irgendwo auf der Welt etwa 330 Kinder an den Folgen der Masern.

© SZ vom 19.09.2014