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Todesfälle nach Masernimpfung:Fataler Fehlgriff

Die WHO bestätigt, dass eine tragische Verwechslung bei einer Impfung für den Tod von 15 Kindern in Syrien verantwortlich ist. Die Ärzte hatten versehentlich ein Muskelrelexans als Lösungsmittel verwendet.

Ein falsches Verdünnungsmittel bei der Masernimpfung ist für den Tod von 15 Kleinkindern im Norden Syriens verantwortlich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigte, dass anstelle des üblichen Lösungsmittels das Muskelrelaxans Atracurium verwendet wurde. Das Medikament kommt vor allem bei Operationen zum Einsatz, in diesem Fall aber geriet es in die Ausrüstung von vier Impfteams.

Die WHO geht davon aus, dass der tragische Vorfall auf eine Verwechslung und nicht etwa auf Sabotage zurückgeht. Ebenso gebe es keine Hinweise, dass das reguläre Verdünnungsmittel oder der Masern-Impfstoff Ursache der Todesfälle seien, betont die Behörde.

Für die WHO bedeutet der fatale Fehlgriff einen herben Rückschlag im Kampf gegen vermeidbare Infektionskrankheiten. Während Syrien unter dem Bürgerkrieg und einem in weiten Teilen zusammengebrochenen Gesundheitssystem leidet, fiel die Impfrate für alle Krankheiten von 90 auf etwa 50 Prozent. Besonders bitter ist, dass dadurch auch die Kinderlähmung wieder in das Land zurückgekehrt ist. Jahrelang hatte es in Syrien keine Polio-Fälle mehr gegeben, 2013 aber infizierten sich 35 Menschen mit dem Virus. Die Gefahr, an Masern oder Polio zu erkranken, bleibt in Syrien extrem hoch, warnt die WHO und appelliert an alle Beteiligten, das Vertrauen in die Impfungen wiederherzustellen.

© SZ vom 30.09.2014/beu/sehe
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