Dermatologie:Vorsicht vor der Toast-Haut

Eine junge Frau sitzt mit Kopfhörern vor ihrem Laptop.

Arbeiten im Home-Office: Lieber öfter mal die Position wechseln.

(Foto: Ivan Gener Garcia/imago/Westend61)

Wer seinen Laptop über Wochen immer wieder in derselben Position auf dem Schoß hat, kann seine Haut schädigen.

Von Vera Schroeder

Erst dachte die Patientin, Mitte dreißig, sie hätte einen blauen Fleck, der seltsamerweise gar nicht wehtut. Doch die bräunliche, netzartige und etwa geldscheingroße Struktur auf ihrem linken Oberschenkel ging über Wochen nicht mehr weg, die Färbung wurde eher stärker. Schließlich ging sie zum Hautarzt. "Toasted Skin Syndrom" diagnostizierte der, auch bekannt als "Erythema ab igne", was auf Altgriechisch "Röte durch Feuer" heißt. Die Ursache für die Verfärbung war nach einem kurzen Gespräch schnell gefunden: Die Patientin saß seit Monaten im Home-Office mehrere Stunden täglich mit angewinkelten Beinen und dem Rechner auf dem Schoß im Bett. Dass die Unterseite des Laptops dabei ziemlich heiß wurde, empfand sie im Winter sogar als besonders angenehm.

"Wir sehen diese Hautverfärbungen meistens durch Wärmeflaschen am Bauch oder am Rücken, aber auch auf den Oberschenkeln bei Menschen, die viel mit Laptop auf dem Schoß arbeiten", erklärt die Münchner Dermatologin Esther Wißmüller. "Wir sehen dieses Phänomen in unserer Sprechstunde nicht übermäßig häufig, aber immer mal wieder, und natürlich ist es etwas, woran man denken sollte, wenn jetzt mehr Menschen viel mit dem Laptop von zu Hause oder eben sogar aus dem Bett arbeiten." Typisch ist, dass die Verfärbungen erst rötlich sind und anfangs nach der Wärmeeinwirkung auch wieder verschwinden. Erst nach wiederholter und längerer Hitzeexposition an der immer gleichen Stelle geht die netzförmig marmorierte Hautveränderung nicht mehr weg. Die Hitzeeinwirkung wird als angenehm oder als gerade noch erträglich empfunden und liegt bei 43 bis 47 Grad unter der Schwelle einer Verbrennung.

Die akute Hauterscheinung ist nicht gefährlich, aber optisch durchaus beeindruckend

Die Ursachen für das Erythema ab igne sind medizinisch nicht restlos geklärt. Durch die direkte Wärmewirkung weiten sich an der betroffenen Stelle die Blutgefäße, das kann auch noch durch einen dünnen Kleidungsstoff hindurch passieren. Gefäßerweiterungen werden als Rötungen sichtbar. Kommt es zu einer Schädigung der Gefäße, so treten rote Blutkörperchen aus, und es lagert sich Hämosiderin ab. Dies erscheint als bräunliche Verfärbung, eine sogenannte Hyperpigmentierung. Manchmal wird über Juckreiz oder ein Brennen geklagt. Gefährlich ist Erythema ab igne nicht, aber optisch durchaus beeindruckend.

Bekannt ist das Phänomen, das auf den ersten Blick wie eine leicht absurde Wohlstandserkrankung der Generation "Home-Office im Bett" wirkt, schon lange. Erste Berichte gibt es von Arbeitern an Torföfen in England. Beschrieben wurde es als "Hitzemelanose" erstmals 1911 vom deutschen Dermatologen Abraham Buschke, weshalb es bis heute auch "Buschke-Hitzemelanose" heißt. Auch von Schmieden, Lokomotivführern und Menschen, die am offenen Feuer arbeiten, gibt es Berichte. Bei Bäckern oder Köchinnen taucht das Syndrom bis heute vor allem an Unterarmen auf und gilt als Berufskrankheit. Im Alltag der Moderne lauert die Gefahr eher bei unachtsam gebrauchtem Wärmeequipment: Autositzheizungen, Heizstrahler, Heizdecken oder Wärmeflaschen. Laptops erhitzen sich wegen höherer Rechenleistungen dann besonders stark, wenn die Unterseite direkt aufliegt - zum Beispiel eben auf dem eigenen Körper.

Bei der Patientin, die so gerne vom Bett aus arbeitet, sind die Verfärbungen deutlich zurückgegangen, seit sie den Laptop nicht mehr auf den Beinen ablegt. Man sieht es nur noch ein kleines bisschen. Auf ihren gemütlichen Lieblingsort im Home-Office musste sie trotzdem nicht verzichten. Sie hat sich vor Kurzem einen praktischen Laptop-Tisch extra fürs Bett zugelegt.

© SZ/imagoWestend61
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