Tipps für den Einkauf von Schweinefleisch:Vom deutschen Schweineleben

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Für fast 90 Prozent der deutschen Verbraucher ist es einer Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge wichtig, dass Lebensmittel aus besonders tiergerechter Haltung stammen. In den Ställen ist davon allerdings wenig zu spüren. Tausende, manchmal sogar Zehntausende Schweine werden in riesigen Anlagen gehalten, eng zusammengepfercht, direkt über ihrer eigenen Gülle. In ihrem Mangel an Beschäftigung verletzen sich die Schweine gegenseitig. Oft genug ist der einzige Auslauf, den so ein Tier bekommt, der Gang ins Schlachthaus. Nur können viele dann gar nicht mehr gehen, weil ihre Gelenke durch Bewegungsmangel und ungeeignete Spaltenböden krank sind.

"Im Bestreben, die Nachkriegsgenerationen mit ordentlichen Fleischmahlzeiten zu versorgen, sind viele Fehler gemacht worden", sagt Thomas Blaha, Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Für ihn setzt ein akzeptables Schweineleben einen Stall voraus, der dem Tier seine naturgegebenen Verhaltensweisen erlaubt. Auslauf ins Freie, Stroh zum Wühlen und Nestbauen, separate Liege-, Futter- und Kotplätze gehören dazu.

Vor allem aber benötigen die Tiere, was sich kaum in Richtlinien und Gesetzen festhalten lässt. Blaha nennt es "Betreuungsintensität": Bauern, die mit Wissen, Sorgfalt und möglichst auch Empathie nach ihren Schweinen schauen. Derartige Gewissenhaftigkeit aber kostet Personal und letztlich mehr Geld. "Mit einem Schnitzelpreis von 99 Cent ist da nichts zu machen", sagt Blaha, der an der Tierärztlichen Hochschule Hannover forscht. Konsequent gedacht, müsste der Kunde an der Theke verlangen, dass sein Fleisch doch bitteschön teurer wird.

Da dies hochgradig unrealistisch ist, hält Blaha Tierschutzsiegel für eine Alternative. Der Verkauf von Fleisch mit diesen Labeln bringt den Landwirten mehr Geld ein, das sie in weitere Tierschutzmaßnahmen stecken können.

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