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Tipps für den Einkauf von Salat:Wie belastet sind die Blätter durch Pestizide?

Nach den Zahlen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, waren 2011 etwa zwei Prozent der untersuchten Salate so stark mit Pflanzenschutzmitteln belastet, dass die gesetzlichen Höchstwerte überschritten wurden. Beim Rucola waren es sieben Prozent.

"Die gesetzlich festgelegten Höchstwerte sind allerdings keine toxikologischen Grenzwerte", sagt Marc Wieland vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart, das regelmäßig umfangreiche Untersuchungen durchführt. Erst wenn der gesetzliche Grenzwert in etwa um das Zehnfache überschritten wird, könnten gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten, beispielsweise Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden. Solche hohen Mengen an Rückständen sind laut Wieland sehr selten. Weniger als ein Prozent aller Salate seien derart belastet.

Sorgen bereitet manchen Experten jedoch, dass zunehmend mehrere Pestizide gleichzeitig verwendet werden. Im Jahr 2011 wiesen einige Salatproben zehn oder mehr verschiedene Pestizidrückstände auf. Wenig ist darüber bekannt, inwieweit die Wirkungen der verschiedenen Chemikalien sich addieren, potenzieren oder in Wechselwirkung treten. Sie werden bei der Ausweisung der Höchstmengen bislang nur einzeln, nicht aber in Summen ausgewiesen.

Am sichersten gehen Verbraucher, die zu Bio-Produkten greifen. Im Ökolandbau sind chemische Pflanzenschutzmittel verboten. "Wir haben in unseren Untersuchungen festgestellt, dass Bio-Produkte in aller Regel fast komplett rückstandsfrei sind", so Wieland. Geringe Spuren von Pestiziden können nicht ganz ausgeschlossen werden, sie gelangen über die Luft, Wasser oder durch Kontakt mit konventionellem Gemüse an die Bio-Salate.

Unter konventionellen Produkten sind saisonale Freilandprodukte die bessere Wahl. Pflanzen, die unter natürlichen Bedingungen aufwachsen, sind robuster und brauchen weniger Pflanzenschutzmittel, erläutert der Experte. Wer dagegen im tiefsten Winter einen Kopfsalat oder Lollo Rosso aus dem Gewächshaus kauft, handelt sich wahrscheinlich höhere Pestizidrückstände ein.

Nitrat scheint weniger gefährlich als gedacht

Weniger haben Verbraucher vom Nitrat im Salat zu fürchten. Nitrat gelangt durch Kunstdünger, aber auch auf natürliche Weise über den Boden, in die Salatpflanzen. Im Körper kann es in Nitrosamine umgewandelt werden, die lange Zeit als krebserregend galten. Mittlerweile änderte sich diese Einschätzung. "Die Krebsgefahr durch die Aufnahme von Nitrat wurde lange Zeit überschätzt", sagt Eva Frei, Präventionsforscherin am Deutschen Krebsforschungsinstitut. G roße epidemiologische Studien zeigen selbst bei hoher Nitrataufnahme kein erhöhtes Risiko für den lange gefürchteten Magenkrebs.

Es ist sogar nicht ausgeschlossen, dass Nitrat gesundheitliche Vorteile hat. Möglicherweise senkt es den Blutdruck und macht die Muskeln leistungsfähiger. ( Mehr dazu lesen Sie hier). Wer dennoch in Sorge ist, sollte auf Salat im Winter verzichten. Denn wenn Sonnenstrahlung fehlt, können die Pflanzen das Nitrat schlechter verwerten. Es lagert sich damit stärker im Gemüse an.