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Tipps für den Einkauf von Olivenöl:Wie gut ist das preiswerte Öl aus dem Supermarkt?

Doch was ist mit den 85 Prozent der in Deutschland erhältlichen Öle, die ihr Prädikat dem Gesetz nach zu Recht tragen? "Die EU-Verordnung ist so lax, dass heute auch Öle, die gerade so den Mindestanforderungen genügen, das höchste Güteprädikat tragen dürfen", sagt der Chemiker Gertz. Welchen Einfluss die Qualität auf die gesundheitlichen Vorzüge des Öls hat, ist unklar. "Das ist nicht untersucht", sagt Kardiologe Helmut Gohlke.

Was bleibt, sind Unterschiede im Geschmack - und spätestens hier werden die Einschätzungen widersprüchlich und die Verbraucher ratlos. So stellte Stiftung Warentest weit verbreiteten Olivenölen in mehreren Untersuchungen ein überwiegend passables Zeugnis aus. Kenner haben die Untersuchungen mehrfach kritisert.

Auch Tester Dieter Oberg hält wenig vom Geschmack der preiswerten Öle im Supermarkt. Vereinfacht ausgedrückt arbeitet er mit einer Skala, die von drei für ein mangelhaftes bis zehn für ein exquisites Öl reicht. "Der Wert der Supermarkt-Öle liegt bei etwa fünf", sagt Oberg. Es ist ein Mindeststandard, auf dem sich der Großteil der in Deutschland angebotenen Öle eingepegelt hat.

Doch erst oberhalb dieses Wertes wird der Geschmack interessant - das Öl allerdings auch teuer. Die meisten Experten sind sich einig, dass unter zehn Euro pro Liter kein wirklich hochwertiges Öl zu bekommen ist. Wer diesen Betrag investieren will, dem rät Oberg zu einem griechischen Öl: "Für diesen Preis gibt es bereits sehr gute Qualität". Italienisches Öl ist teurer, dafür aber auch geschmacklich vielfältiger. "Verbraucher müssen mit bis zu 30 Euro pro Liter für ein ausgezeichnetes Produkt rechnen".

Romantik und Folklore

"Es gibt auch schon gutes italienische Öl für zehn bis 15 Euro", sagt dagegen Lebensmittelchemiker Gertz. Bei höheren Preisen riskiere der Verbraucher Geld für Folklore und Romantik auszugeben, die im schlimmsten Fall mehr schaden als nutzen. Denn besonders teuer ist oft das Öl aus den kleinen, handwerklich arbeitenden Mühlen. Dies klingt anheimelnd, doch bei solchen Mühlen werden die Oliven langsam verarbeitet, die Früchte lagern unnötig lange. "Eine Olive aber wird mit jeder Stunde, die sie herumliegt, schlechter", sagt Gertz.

Lange Zeit schnitten auch Bio-Öle in den Geschmackstest eher schlechter ab. Die Nachfrage war nicht so groß, die Mühlen stellten daher auch andere Öle her, Oliven mussten lagern, bis sie an die Reihe kamen. Möglicherweise ändert sich das mit der größeren Nachfrage nach Bio-Produkten. Dennoch sieht Gertz die Vorteile eines Bio-Öls als eher gering an. Pestizide und chemische Dünger - mit deren Verzicht Bio-Produzenten werben - kommen in Olivenplantagen ohnehin kaum zum Einsatz. Wem die Öko-Bilanz am Herzen liegt, kann auf ein Öl mit geschützter Ursprungsbezeichnung (italienisch DOP) zurückgreifen. Bei ihnen weiß er, welchen Weg das Öl hinter sich hat und kann unnütze Transporte ausschließen.

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