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Tipps für den Einkauf von Milch:Gefesselte Tiere - Geht es Kühen auf Ökohöfen besser?

Auch was den Tierschutz angeht, schneidet die Bio-Milch nicht so viel besser ab, wie viele Verbraucher erwarten würden. Denn eine bittere Wahrheit lautet, dass glückliche Kühe heute selten sind. "Alles in allem geht es den Kühen aus Bio-Haltung etwas besser", sagt Thomas Richter, Vorstandsmitglied in der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Doch die größten Probleme in der Milchvieh-Haltung treten auch auf Bio-Höfen auf.

Hochleistungskühe brauchen enorme Mengen von Energie, meist aus Kraftfutter. Dies überfordert häufig das Verdauungssystem der Tiere. In der Folge übersäuert der Pansen; es entstehen Giftstoffe, die den gesamten Organismus der Tiere überfluten. "Ein Bauer braucht heute sehr große Kenntnisse und Sorgfalt, um dieses Problem zu umgehen. Viele Landwirte - auch auf Biohöfen - haben sie nicht", sagt Tierarzt Richter.

Ein weiteres Problem ist in Bio-Haltung seltener, aber nicht ausgeschlossen: das Anbinden der Tiere. Kühe werden durch Eisengestelle oder Ketten auf einen minimalen Platz gezwungen, sie können lediglich zwischen Stehen und Liegen wechseln. "Anbindehaltung ist Tierquälerei", sagt Richter. Die Tiere entwickeln Verhaltensauffälligkeiten, verletzten sich häufiger und tragen Entzündungen vom Scheuern an Boden oder Gestänge davon.

Nach EU-Öko-Verordnung ist die Anbindehaltung grundsätzlich seit 2010 verboten. Allerdings wird es in Bayern und Baden-Württemberg dauerhaft Ausnahmeregelungen geben. Bio-Bauern mit kleinen Herden dürfen ihre Kühe hier im Stall festbinden, sie müssen die Tiere allerdings auch regelmäßig ins Freie lassen.

Es ist ausgerechnet ein Discounter, bei dem man das Problem der Anbindehaltung umgehen kann. In Bayern bietet Lidl unter dem Zeichen: "Ein gutes Stück Heimat" Milch an, die eigenen Angaben nach nur von Kühen aus Laufställen stammt.

Die Ökobilanz

Ernährung und Klima Treibhausgas-Emissionen der Lebensmittel-Produktion

Egal, wie viel Auslauf die Tiere haben: Milch hat grundsätzlich nicht die beste Klimabilanz (siehe Grafik). Kühe stoßen große Mengen klimaschädliches Methan aus - auch Bioherden. Aber: "Ihr Futter wurde ökologisch erzeugt - und kein Regenwald musste weichen, um Soja-Kraftfutter anzubauen", schreibt Greenpeace.

Wer außerdem sichergehen will, dass sein Milchkarton nicht quer durchs ganze Land oder noch weiter gefahren wurde, kann auf dem Etikett nachschauen, in welchem Bundesland das Getränk abgefüllt wurde. ( Mehr dazu hier).