Tipps für den Einkauf von Kaffee Unterschätztes Gebräu

Kaffee lastete lange Zeit schwer auf dem Gewissen seiner Konsumenten. Hatten sie doch das Gefühl, sich stetig dem Herzinfarkt entgegenzutrinken. Heute weiß man: Es stimmt nicht die Bohne. Und das Getränk kann weit edler sein als die braune Brühe aus der Büro-Kanne.

Von Berit Uhlmann

Mehr als 40.000 Artikel liegen in einem durchschnittlichen deutschen Supermarkt aus. Welche davon taugen etwas? Was nützt, was schadet der Gesundheit? Wie sinnvoll sind Bio-Nahrungsmittel und welche Werbefallen stellt die Lebensmittelindustrie dem Konsumenten? In regelmäßiger Folge bewerten wir hier weit verbreitete Lebensmittel für Sie. Teil 15: Kaffee.

"Ohne Gaffee gönn mer nich gämpfen!" Der einstige Streikruf der Kaffeesachsen aus dem Siebenjährigen Krieg ist noch heute das tägliche Motto von Millionen Menschen. Mittlerweile müssen sie nicht mehr fürchten, mit ihrer Liebe zu dem braunen Getränk schnurstracks dem Herzinfarkt entgegenzutreiben. Kaffee hat in den vergangenen Jahren einen großen Freispruch erfahren.

Als amerikanische und spanische Wissenschaftler die Lebenswege von mehr als 130.000 Menschen über einen Zeitraum von bis zu 24 Jahren verfolgten, konnten sie keinerlei Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und tödlichen Erkrankungen wie Krebs oder Herzleiden zeigen. Selbst wer sechs Tassen Kaffee täglich trank, hatte keinen frühzeitigen Tod zu befürchten.

Ähnliches ergab 2012 eine große Studie aus Deutschland: Die Daten von fast 43.000 Menschen deuten darauf hin, dass bis zu vier Tassen Kaffee pro Tag das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen nicht erhöhen. Die Studie ergab sogar Hinweise, dass Kaffee vor Diabetes schützen könnte. Andere Untersuchungen schließen einen Schutz vor Parkinson-Erkrankung und Leberkrebs nicht aus.

Ist Kaffee also das neue Obst, das täglich auf den Speiseplan gehört? Anna Flögel vom Deutschen Institut für Ernährung, die an der deutschen Untersuchung mitgewirkt hat, ist vorsichtig: "Man kann aus unserer Studie schließen, dass gesunde Erwachsene, die gerne Kaffee trinken und ihn gut vertragen, dies auch weiterhin tun können. Daraus abzuleiten, dass man Kaffee trinken soll, um sich vor Diabetes zu schützen, wäre voreilig."

Denn die Erkenntnisse stammen aus Beobachtungsstudien, die Wirkungen wurden bei Menschen registriert, die freiwillig Kaffee tranken. Ob derartige Effekte auch eintreten, wenn Menschen ganz unabhängig von Vorlieben, Verträglichkeiten und Vorerkrankungen zum Kaffeekonsum animiert werden, müsste erst noch in lang laufenden und damit teuren Interventionsstudien geprüft werden. Wem der Kaffee Magenschmerzen, Sodbrennen oder Nervosität beschert, sollte also weiterhin die Finger davon lassen.