Tipps für den Einkauf von Honig:Gefahr durch Gentechnik im Honig?

Lesezeit: 5 min

Honig ist ein reines Naturprodukt, und als solches nicht reiner als die Natur, aus der es stammt. So machen Bienen vor gentechnisch veränderten Pflanzen nicht halt; sie können deren Pollen aufnehmen und in ihren Honig eintragen. In Deutschland ist diese Entwicklung zur Zeit nicht zu befürchten, es gibt gegenwärtig keine Anbauflächen für gentechnisch veränderte Pflanzen. Anders sieht das mit Importhonig aus Ländern aus, in denen beispielsweise Gensoja oder -raps in großem Stil angebaut werden. Sie können durchaus Spuren der Gentechnik tragen.

Ob dies wirklich ein Problem ist, darf bezweifelt werden. Birgit Lichtenberg-Kraag, Leiterin der Honiganalyse am Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf bei Berlin, sagt: Zum einen dürfen in den Honig nur Pollen von solchen gentechnisch veränderten Pflanzen kommen, die als Lebensmittel zugelassen sind. Zum anderen gelangen sie nur in winzigen Mengen hinein. Pollen machen nur 0,1 Prozent des Honigs aus, sagt die Wissenschaftlerin. Von dieser Menge dürfen nur 0,9 Prozent aus gentechnisch veränderten Pflanzen stammen, ansonsten müsste der Honig entsprechend gekennzeichnet werden und würde damit wohl kaum Abnehmer in Deutschland finden.

Pestizide sind ähnlich zu bewerten. Die Chemikalien können durchaus in den Honig gelangen. In fast 30 Prozent der Proben fanden Lebensmittelkontrolleure 2011 Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, aber nur in einem Fall war die Höchstgrenze überschritten. Pestizide sind eine Gefahr für die Bienen, doch weniger für den Menschen, der sein Honigbrötchen verzehrt.

"Etikettenschwindel" und Einheitsgeschmack

Dass Hersteller oder Händler den Honig panschen, strecken, verdünnen, dürfte die absolute Ausnahme sein. Allerdings nehmen es nicht alle Hersteller mit der Sortenangabe so genau. Ein sortenreines Produkt, etwa ein Akazienhonig, kann teurer verkauft werden als ein Honig, der aus vielen verschiedenen Pflanzen stammt. Dafür muss die Bienenernte zu 60 Prozent von der ausgewiesenen Pflanze stammen. Wirklich sichergehen können die Produzenten nur, wenn sie den Honig analysieren lassen. Imker leisten dies nicht immer. Bei Honig aus dem Direktverkauf stimmt daher die Ausweisung in etwa der Hälfte aller Fälle nicht, hat die Wissenschaftlerin beobachtet.

Große Produzenten, die ihre Ware im Handel anbieten, testen den Honig in der Regel. Dennoch gibt es auch unter ihnen Ausreißer: Bei einer Untersuchung von Stiftung Warentest waren drei von 35 Honigen nicht wirklich sortenrein. Die Tester sprechen von "Etikettenschwindel", ein echter Qualitätsmangel ist dies jedoch nicht. Denn der Blütenhonig, der Inhaltstoffe verschiedener Pflanzen enthält, ist nicht schlechter als der Sortenhonig, er schmeckt nur anders. Birgit Lichtenberg-Kraag hält ihn sogar für interessanter, da er mehr geschmackliche Nuancen hat.

Wer stets im Supermarkt einkauft, riskiert allerdings, dass ihm diese vielfältigen Nuancen entgehen. Der im industriellen Maßstab hergestellte Honig tendiert in Richtung Einheitsgeschmack. "Viele Kunden wollen ja, dass ihr Honig immer gleich schmeckt", begründet die Forscherin das Vorgehen der Hersteller.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB