Tipps für den Einkauf von Brotaufstrichen:Vegan auf einen Streich

Gasthaus "Zwickl" in München, 2012

Brotaufstriche ohne Fleisch liegen im Trend.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wurst halten sie für inkorrekt und Käse für fett - und doch wollen die Deutschen sich was aufs Brot schmieren. So füllen pflanzliche Aufstriche mittlerweile ganze Regalmeter. Doch sind die Pasten, die oft nach Hefe schmecken und voller Öl sind, tatsächlich gesund?

Von Berit Uhlmann

Bis zu 40.000 Artikel liegen in einem durchschnittlichen deutschen Supermarkt aus. Welche taugen etwas? Was nützt, was schadet der Gesundheit? Wie sinnvoll sind Bio-Nahrungsmittel und welche Werbefallen stellt die Lebensmittelindustrie dem Konsumenten? In dieser Serie bewerten wir weit verbreitete Lebensmittel für Sie. Teil 28: pflanzliche Brotaufstriche.

So radikal die zahlreicher werdenden Veganer, Vegetarier oder Flexitarier ihre Essgewohnheiten ändern, auf die Tradition des Broteschmierens wollen viele doch nicht verzichten. So bringen findige Hersteller immer mehr pflanzliche Aufstriche auf den Markt - und das längst nicht nur im Bio-Segment.

Doch gerade bei den konventionellen Produkten kann enttäuscht werden, wer glaubt, durch die Pflanzencremes Natur pur auf sein Brot zu bekommen. Die Pasten können allerhand zweifelhaften Zusätze enthalten, sagt Daniela Krehl, Ernährungsexpertin von der Verbraucherzentrale Bayern. Bindemittel, Aromen und Geschmacksverstärker gehören dazu. Ökotest fand in zehn von 25 Produkten zugesetztes Hefeextrakt. Es ist de facto ein Geschmacksverstärker, denn es enthält viel Glutamat, ebenso wie das weithin geschmähte Natriumglutamat.

Doch selbst Produkte ohne Zusätze, wie sie in der Biobranche häufiger sind, können Überraschungen bergen. Wer die kleinen hübschen Becherchen öffnet, findet in vielen Fällen nicht unbedingt Gemüsecreme vor, sondern eine Paste, die wie Leberwurst aussieht und wie ein Hefewürfel schmeckt. Tatsächlich basieren viele der Aufstriche auf Nährhefe, also Hefe, die durch Hitze inaktiviert wurde. Soll das gesund sein?

Daniela Krehl will diese Pasteten nicht unterschätzt wissen: "Sie sind vor allem für Veganer perfekt; sie liefern hochwertiges Eiweiß und viele B-Vitamine, darunter Folsäure, die besonders für Frauen mit Kinderwunsch wichtig ist". Allerdings mangelt es den Hefe-Aufstrichen ausgerechnet am Vitamin B 12, das vielen Veganern fehlt, weil es überwiegend in tierischen Produkten vorkommt.

Bleibt die Frage des intensiven Hefegeschmacks, bei dem vor allem die Liebhaber von Bioprodukten wenig Auswahl haben. Denn bislang gibt es nur einen einzigen größeren Hersteller von Biohefe. Als Nährstoffquellen für seine Hefepilze dienen keine Chemikalien, sondern lediglich Pflanzen aus ökologischem Anbau. "Dies verändert allerdings das Aroma der Hefen", sagt Daniela Krehl. Wem es nicht zusagt, der hat Pech.

Öl in den Pasten

Das Problem des ungewohnten Geschmacks umgehen Aufstriche, die auf der Basis von Sonnenblumenkernen und -Öl hergestellt werden. Das Pflanzenöl ist geschmacksneutral. Gesundheitlich betrachtet ist es jedoch nicht der große Wurf. "Sonnenblumenöl ist ein billiges Öl und enthält hauptsächlich Omega-6-Fettsäuren, von denen wir ohnehin genug in der Nahrung haben", sagt Gerhard Jahreis, Ernährungswissenschaftler der Universität Jena. Pflanzenpasten mit viel Öl können es zudem auf weit über 200 Kilokalorien pro 100 Gramm bringen, eine Zahl, die der mancher Wurst nicht nachsteht.

Alles in allem aber sind die meisten Brotaufstriche durchaus zu empfehlen. Forscher haben gezeigt, dass Menschen, die täglich mehr als 40 Gramm verarbeitetes Fleisch essen, ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs haben. Wer Wurst immer mal wieder durch pflanzliche Aufstriche ersetzt, reduziert diese Gefahr.

Allerdings sind die Cremes kein Ersatz für frisches Obst oder Gemüse. Dies gilt vor allem für die Pasteten auf Hefebasis. Hefe selbst wird ja auch gar nicht den Pflanzen zugeordnet, sondern gehört zu den Pilzen, die ein eigenes Reich im System der Lebewesen bilden. Den Hefen fehlen vor allem die sekundären Pflanzenrohstoffe sowie eine Reihe von Vitaminen, sagt Daniela Krehl. Und auch für die anderen Aufstriche gilt, dass das verarbeitete Gemüse nicht so wertvoll ist wie frisches.

Als Alternative für Veganer bietet sich damit auch eine mediterrane Gewohnheit an: Brot wird pur oder mit Olivenöl beträufelt zu Salat oder frischem Gemüse gegessen. Vegetarier können genausogut Magerquark oder Hüttenkäse auf ihre Stullen schmieren und diese mit frischem Gemüse oder Kräutern belegen.

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