Test auf Down-Syndrom Mehr als ein kleiner Piks

Der Bluttest auf das Down-Syndrom ist simpel und fast ohne Nebenwirkung. Womöglich wird er demnächst sogar von der Krankenkasse bezahlt. Doch das Dilemma einer Entscheidung auf Leben oder Tod wird damit nicht behoben.

Von Werner Bartens

Es ist ja nur ein kleiner Piks. Eine läppische Blutentnahme, kein Risiko. Was für ein technologischer Fortschritt, Chromosomenstörungen des Embryos mit so wenig Aufwand entdecken zu können. Während Tests - die Chorionzottenbiopsie und die Fruchtwasseruntersuchung - bisher deutlich invasiver sind und mit dem Risiko einer Fehlgeburt von bis zu einem Prozent einhergehen, können mittels Gentest Erbschäden des Ungeborenen nahezu ohne Gefahr für die Mutter aufgespürt werden.

Was für eine Illusion, dass damit irgendetwas einfacher wird. Nur weil die Nebenwirkungen der Diagnostik für die Schwangere minimiert werden, fällt die Entscheidung für oder gegen ein Kind ja nicht leichter. Genau dieser Eindruck entsteht aber. Es ist ein bekanntes Phänomen und gehört zur medizinischen Akzeptanzrhetorik, dass niedrigschwellige Tests bereitwilliger angenommen werden. Ist ja nur ein kleiner Piks . . . Der PSA-Test auf Prostata-Krebs ist ein populäres Beispiel. Die Ungenauigkeit des Tests, die Unsicherheit der Diagnose und viele unnötige Behandlungen bleiben, auch wenn am Anfang nur die Blutentnahme steht.

Am Ende der Diagnostik bleibt die Entscheidung auf Leben oder Tod

Im Fall des Gentests auf Trisomie 21 (Down-Syndrom) und andere Chromosomenstörungen geht es aber noch um etwas anderes. Der Test im Mutterblut verstärkt den sozialen Druck, dass nur noch gesunde Kinder auf die Welt kommen. "So etwas muss doch heute nicht mehr sein" - diesen Satz hören Eltern von Kindern mit Down-Syndrom seit Jahren immer wieder.

Schon heute machen sich viele werdende Eltern nicht klar, dass am Ende der Pränataldiagnostik die Entscheidung über Leben oder Tod stehen kann. Und schon heute entscheiden sich nach Chorionzottenbiopsie oder Fruchtwasseranalyse 90 Prozent der Eltern gegen das Baby, wenn eine genetische Anomalie festgestellt wird. Der Optimierungszwang, alles für den verständlichen Wunsch nach einem gesunden Kind zu tun, steigt mit dem Gentest weiter. Ethiker warnen längst vor einer Abschaffung des Schicksals durch die medizintechnische Hintertür.

Derzeit befasst sich der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit dem Gentest. Das Gremium entscheidet, welche Leistungen von Krankenkassen übernommen werden. Noch ist unklar, ob der G-BA überhaupt mit dem Bewertungsverfahren beginnt. Der Markt ist weiter. Seit 2011 sind die Tests erhältlich, etliche Kassen haben im Einzelfall schon die Kosten von etwa 500 Euro übernommen. Ob der G-BA den Test zur Kassenleistung macht oder nicht: Um rein medizinische Fragen geht es dabei schon längst nicht mehr.