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Teenager-Väter:Chaos im Sperma

Kinder extrem junger Eltern leiden etwas häufiger an Erbkrankheiten. Eine Erklärung könnte eine neue Studie liefern: Zeugen Jungen in der Pubertät Kinder, geben sie mehr Mutationen an den Nachwuchs weiter als 20- bis 30-Jährige.

Von Hanno Charisius

Kinder von Vätern im Teenageralter tragen oft deutlich mehr Mutationen in ihrem Erbgut als die Söhne und Töchter von Zwanzig- bis Dreißigjährigen. Das geht aus einer Untersuchung von über 24 000 Eltern und ihren Kindern hervor, die am heutigen Mittwoch im Fachjournal Proceedings of the Royal Society B erscheint (online). Die Wissenschaftler um Bernd Brinkmann vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Münster glauben, dass die hohe Mutationsrate eine Erklärung dafür sein könnte, warum Kinder von sehr jungen Eltern etwas häufiger genetisch bedingte Krankheiten haben als Nachkommen von Männern und Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Nachgewiesen sei ein solcher Zusammenhang mit ihrer Untersuchung allerdings noch nicht, sagt Carsten Hohoff aus Münster, der an der Studie beteiligt war. "Unsere Daten enthalten keine Informationen über die Gesundheit der Eltern und der Kinder."

Andere Studien müssten nun klären, ob es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der erhöhten Mutationsraten in Teenager-Spermien und gesundheitlichen Problemen beim Nachwuchs gibt. Die Genetiker untersuchten Erbgutabschnitte, deren Funktion heute noch nicht verstanden ist. Es galt bislang als unwahrscheinlich, dass diese DNA-Abschnitte, die sehr gut geeignet sind für Vaterschaftstests, eine Bedeutung haben für die Weitergabe von biologischen Eigenschaften. Unklar ist auch noch, weshalb die Mutationsrate in den Spermien im Alter von 20 Jahren sinkt und ab 30 wieder ansteigt.

© SZ vom 18.02.2015

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