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Tattoo und Krebsrisiko:Konkrete Verbote durch Tätowiermittel-Verordnung

Erst mit der Tätowiermittel-Verordnung gibt es konkrete Verbote. Darunter fallen etwa Azofarbstoffe, die sich durch Sonnenlicht oder die versuchte Tattoo-Entfernung per Laser in krebserregende aromatische Amine spalten lassen.

Aufgrund der neuen Regelung müssen die Hersteller außerdem die Inhaltsstoffe der Tattoo-Farben angeben. Gängig sind Ruß für Schwarz und Eisenoxide für Rot und Gelb.

"Man weiß nicht, was die Pigmente unter der Haut machen", sagt Krätke vom BfR. Deshalb fordert das Institut, die bestehende Negativliste um eine Positivliste unbedenklicher Stoffe zu ergänzen. Dazu müsste man erfassen, welche Pigmente, Konservierungsmittel und Verunreinigungen in Farben für Tattoos und Permanent-Make-up enthalten sind.

Diese Stoffe müssten getestet werden, ob sie stabil gegenüber UV-Licht und Bakterien sind, ob sie die Haut reizen und das Erbgut von Zellen verändern. Für die Zulassung sollten sie mindestens die Anforderungen für Kosmetika erfüllen - beim Tätowieren wird anders als beim Eincremen die Haut als Schutz umgangen.

Erschreckende Ergebnisse in der Schweiz

Dermatologe Christian Raulin von der Laserklinik Karlsruhe sieht mit der neuen Verordnung zwar "den größten Schaden abgewendet". Inwieweit diese befolgt würde, sei aber unklar. Es gibt keine Statistiken dazu, denn die Kontrolle ist Sache der örtlichen Gesundheitsämter.

In der Schweiz, wo es seit 2008 Vorschriften zur Zusammensetzung und Kennzeichnung von Tattoofarben gibt, hat das Bundesamt für Gesundheit deren Einhaltung überprüft - mit erschreckendem Ergebnis.

Von 152 Proben durften 41 Prozent wegen gesundheitsgefährdender Mängel ab sofort nicht mehr benutzt werden, die meisten enthielten verbotene Substanzen. Bei 68 Prozent beanstandeten die Kontrolleure die mangelnde Deklaration der Inhaltsstoffe.

Inzwischen erwägen mehrere Staaten, Tattoo-Inhaltsstoffe stärker zu reglementieren. Doch die Gesetzgeber stehen vor einem Problem: Es gibt kaum Forschung dazu. Die Wissenschaftler wissen nicht, ob in Tattoos verwendete Pigmente tatsächlich die Ursache von Krebserkrankungen sind.

Laserspezialist Raulin und seine Kollegen schrieben Ende 2009 im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, dass in der Literatur viele Hautveränderungen im Zusammenhang mit Tattoo-Pigmenten geschildert würden, darunter Vergrößerungen der Lymphknoten.