Studie zu Alkoholkonsum Schluss mit Suff?

Entspannung, aber keine Entwarnung: Eine neue Studie zeigt, dass sich weniger junge Männer als in den vergangenen Jahren bis zur Besinnungslosigkeit volllaufen lassen. Überraschend ist auch die Zahl der Abstinenten.

Trendwende beim Komasaufen: Vor allem junge Männer in Deutschland trinken immer seltener bis zum Umfallen. Das zeigt eine neue Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Dennoch gilt: Kein Grund zur Entwarnung.

Immerhin mehr als ein Drittel der 18- bis 25-Jährigen trinken sich der Studie zufolge mindestens einmal im Monat in den Rausch, bei den 12- bis 17-Jährigen sind es fast 13 Prozent. Das sind deutlich weniger als noch vor einigen Jahren. 2008 betranken sich noch rund 40 Prozent der jungen Erwachsenen mindestens einmal im Monat.

Deutlicher Rückgang bei männlichen Trinkern

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) wertet dies als "erfreuliche Entwicklung". Jugendliche und junge Erwachsene "nehmen zunehmend Abstand vom gefährlichen Rauschtrinken", sagte sie. Mortler warnt zugleich, Alkohol sei nach wie vor das Suchtmittel Nummer eins bei jungen Menschen und dürfe "nicht bagatellisiert werden".

Die aktuellen Daten stammen aus dem vergangenen Jahr. Für die Studie wurden insgesamt 7000 junge Leute zwischen zwölf und 25 Jahren befragt. Dabei zeigt sich vor allem bei den männlichen Trinkern ein deuticher Rückgang. So betrinken sich knapp 16 Prozent der 18- bis 25-jährigen Männer mindestens viermal im Monat - das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Auch bei den unter 17-jährigen männlichen Jugendlichen wurde ein Tiefststand erreicht - etwa vier Prozent trinken sich noch häufiger in einen Rausch.

Immer mehr Jugendliche verzichten ganz auf Alkohol

Bei den weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen sei solch ein Rückgang "leider" noch nicht auszumachen, sagte BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss. "Bei bestimmten Personengruppen, wie etwa jungen Frauen, müssen wir genau hinschauen", sagte die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler.

Allerdings trinken Frauen insgesamt deutlich weniger und seltener Alkohol als ihre männlichen Altersgenossen. Etwa fünf Prozent der 18- bis 25-jährigen Frauen und etwa drei Prozent der unter 17-Jährigen trinken mindestens einmal die Woche bis zum Umfallen.

Neben dem Rückgang der männlichen Rauschtrinker vermeldet die Studie noch eine weitere positive Nachricht: Immer mehr Jugendliche verzichten gänzlich auf Alkohol. Jeder dritte der 12- bis 17-Jährigen gibt an, noch nie Alkohol getrunken zu haben. Im Jahr 2001 waren es lediglich 13 Prozent.

Millionen Menschen sind in Deutschland alkoholabhängig

Die Bundeszentrale organisiert seit 2009 eine Präventionskampagne gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen, die vom Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) unterstützt wird. Zukünftig will die Kampagne "Alkohol? Kenn dein Limit" verstärkt auf Online-Kommunikation setzen. Über soziale Netzwerke und Online-Plattformen wie YouTube soll die Zielgruppe nach Angaben der BZgA noch besser erreicht werden.

In Deutschland sind mehr als 1,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren alkoholabhängig. Bei weiteren 1,6 Millionen liegt ein Alkoholmissbrauch vor. Jedes Jahr sterben in Deutschland mindestens 74.000 Menschen durch Alkoholkonsum.