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Streitfall Kaiserschnitt:Konfliktfall Beckenendlage

Einig sind sich die meisten Ärzte, dass kein Kind ohne medizinische Notwendigkeit per Kaiserschnitt auf die Welt kommen sollte. Schwierig wird es allerdings bei der Frage, was wirklich notwendig ist.

Nach der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ist die Schnittentbindung vor allem dann unumgänglich, wenn das Kind quer im Bauch liegt, wenn sich die Plazenta vorzeitig löst oder die Nabelschnur droht, eingeklemmt zu werden, so dass das Kind nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Diese Komplikationen können zu schwersten Behinderungen oder dem Tod des Kindes führen. Allerdings sind solch zwingende Gründe für weniger als zehn Prozent der Kaiserschnitte in Deutschland verantwortlich.

Die meisten anderen Schnittgeburten erfolgen aus Gründen, die auch unter Medizinern umstritten sind. Dazu gehören die Beckenendlage, also jene Stellung des Kindes, bei der nicht der Kopf, sondern das Gesäß des Kindes nach unten zeigt. Friese ist überzeugt: "Eine Beckenendlage muss nicht automatisch zum Kaiserschnitt führen." Vielmehr könnten erfahrene Geburtshelfer am Ende der Schwangerschaft die sogenannte Äußere Wendung versuchen. Dabei wird das Kind durch gezielte Handgriffe am Bauch der Mutter in die richtige Geburtsposition gedreht. "Die Erfolgsquote liegt bei etwa 65 Prozent", sagt Friese. Und selbst wenn die Wendung nicht gelingt, ist eine natürliche Entbindung nicht ausgeschlossen.

Dabei sind es - entgegen landläufiger Meinung - die großen, oft als unpersönlich empfunden Kliniken, in denen Risikoschwangere die größte Chance haben, ihr Kind auf natürlichem Weg zur Welt zu bringen. Denn anders als kleinere Häuser haben sie genügend Erfahrungen und Ressourcen, um auch Notfälle zu bewältigen. Die Leitlinie nennt als Voraussetzungen für eine Geburt bei Beckenendlage, dass ein versierter Facharzt, Anästhesisten und Neonatologen, also Ärzte die auf Neugeborene spezialisiert sind, jederzeit verfügbar sind.