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Recht:USA - In Oregon haben sich Befürchtungen nicht bewahrheitet

Die USA haben keine einheitliche Regelung zur Sterbehilfe. Und doch gehört der Bundesstaat Oregon zu den wenigen Regionen der Welt, aus dem es langjährige Erkenntnisse zum sogenannten ärztlich assistierten Suizid gibt.

Bei dieser Form der Sterbehilfe darf der Mediziner das todbringende Medikament nicht selbst verabreichen, sondern nur verschreiben. Die Suizidbeihilfe in Oregon ist seit 1997 an strenge Voraussetzungen gekoppelt. Der Patient muss volljährig und urteilsfähig sein, in Oregon wohnen und an einer unheilbaren Krankheit leiden, die nach Auffassung von zwei Ärzten innerhalb von sechs Monaten zum Tod führt.

Von Befürwortern des assistierten Suizids wird das Beispiel Oregon gerne zitiert, denn viele der Befürchtungen, die Kritiker im Vorfeld geäußert hatten, bewahrheiteten sich nicht. Die Regelung löste keinen Dammbruch aus. Die Zahl der Menschen, die das Medikament schluckten, nahm in den vergangenen 20 Jahren zwar zu, blieb aber mit etwa 0,2 Prozent aller Todesfälle vergleichsweise niedrig. Das Alter lag im Mittel bei 74 Jahren.

Auch die Sorge, dass der Freitod vor allem für arme und medizinisch schlecht versorgte Menschen zur Option werden könnte, erwies sich als unbegründet. Die meisten Patienten waren gut gebildet, finanzielle Gründe spielten kaum eine Rolle beim Sterbewunsch. Auch Schmerzen oder andere Symptome schwerster Krankheit wurden nur in einer Minderheit der Fälle als Motiv genannt; die meisten Sterbewilligen hatten bereits palliativmedizinische Hilfen erhalten.

Begleitende Befragungen sprechen dafür, dass es den Patienten mit ihrem Sterbewunsch in erster Linie um Selbstbestimmung geht. Als Motive nannten die Patienten die Unfähigkeit, an freudvollen Aktivitäten teilzunehmen sowie dem Verlust von Autonomie und Würde.

Etwa ein Drittel von denen, die das Rezept erhielten, nahmen das Medikament nicht ein. Auch dies könnte dafür sprechen, dass es den Betroffenen eher um das Gefühl geht, die Kontrolle über den eigenen Tod zu haben. Zwischenzeitlich ist der assistierte Suizid in sechs weiteren US-Staaten zulässig.

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