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Stents zur Schlaganfall-Vorbeugung:Viele Beteiligte haben auch ein finanzielles Interesse, die Gefäßstützen nicht zu verbieten

Eine erstaunliche Haltung in Zeiten evidenzbasierter Medizin, wo medizinische Behandlungen auf ihren Nutzen und Schaden geprüft sein sollten und nur erlaubt, was Patienten hilft. "Es mag ja sein, dass der in Studien untersuchte Bereich nicht der Anwendung entspricht, wie sie in Deutschland praktiziert wird und weiter praktiziert werden soll", sagt Jürgen Windeler. "Die Fachgesellschaften sind aber in dem langwierigen Diskussionsprozess jede überzeugende Antwort schuldig geblieben, ob das zutrifft und wie der genaue Anwendungsbereich aussehen soll." Auch der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken fordert: "Ich erwarte für die Sitzung am 15. September einen verantwortungsvollen und gut begründeten Vorschlag hinsichtlich der Patientengruppen, die vom Ausschluss der Methode ausgenommen sein sollen."

Doch genauso verschlossen wie die Ärzteschaft gibt sich die Lobbyvertretung der Krankenhäuser, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG): Über "bestimmte Ausnahmekonstellationen, die Patienten mit einer deutlich höheren Erkrankungsschwere betreffen, als diejenigen, die in den Studien untersucht wurden", sei man nicht einig, teilt die DKG mit. Als handele es sich um ein geheimes Militärprojekt und nicht um elementare Fragen des Patientenschutzes, könne man "im Vorgang der vertraulichen Verhandlungen" keine weiteren Informationen geben und auch nicht verraten, wann Schlaganfallopfer angeblich vom Stent profitieren.

Der nächste Versuch richtet sich wieder an die Ärzte der KBV. Welche Beweise könnten Stents rechtfertigen? "Wir beziehen uns bei unserer Ausnahme auf Patienten in lebensbedrohlicher Situation, für die es ansonsten keine Alternative geben würde", verrät der KBV-Sprecher. "Eine Studienlage gibt es dazu nicht. Aufgrund der lebensbedrohlichen Situation der Patienten kann es hierzu keine speziellen Studien geben. Aus unserer Sicht ist hier die freie Therapieentscheidung des Arztes entscheidend."

Behandlung bei Schlaganfall

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Angesichts dieser Argumentation kann man den Glauben daran verlieren, dass vernünftige Beweise die Grundlage einer wissenschaftlich fundierten Medizin bilden - oder vor der Lobbyarbeit kapitulieren. Dabei gibt es den medikamentösen Therapiestandard, der in allen Studien mit intrakraniellen Stents verglichen wurde und durchweg schonender für die Kranken war. Wie kann man da Ausnahmen zulassen wollen, die man nicht mal definieren kann?

Letzter Versuch, Anfrage bei Helmi Lutsep. Die Neurologin der University of Oregon hat 2011 an dem Artikel im New England Journal of Medicine mitgewirkt, der die Schädlichkeit der Stents belegte. Weil immer wieder die Behauptung aufkam, dass bestimmte Patienten dennoch davon profitieren, hat sie im Fachmagazin Stroke 2015 gezeigt, dass keine Subgruppe einen Nutzen davon hat. Ob Mann oder Frau, alt oder jung, ob Diabetiker, Raucher, Hochdruckpatient oder nicht, ob schwer betroffen oder leicht - in all diesen und anderen Subgruppen erwiesen sich Stents als gefährlicher als Medikamente.

"Nach den bisherigen Studien gibt es keinen Vorteil intrakranieller Stents", antwortet die Chefin des Schlaganfallzentrums in Portland. "Es konnten keine Patientengruppen identifiziert werden, die vom Stenting mehr Nutzen haben als von der Arzneimitteltherapie." Da nicht zu erwarten ist, dass Ärzte- und Krankenhausvertreter bis zur G-BA-Sitzung nächste Woche neue Erkenntnisse aus dem Hut zaubern, müssen andere Erklärungen herhalten: Es gibt finanzielle Interessen der Hersteller. Es gibt finanzielle Interessen der Krankenhäuser - jeder Ausschluss einer Methode kommt für sie einer Niederlage gleich. Es gibt finanzielle Interessen der Ärzte, aber sicher auch ihr verständliches Interesse, in schwierigen Situationen noch Therapien zur Verfügung zu haben.

Alle Stimmberechtigten im G-BA eint der Wunsch, Patienten eine Behandlung zu ermöglichen, statt sie zu untersagen. Verbote sind nicht nur unangenehm, sie bedeuten im konkreten Fall auch, Ärzten wie Patienten eine Therapie wegzunehmen, an die sie sich gewöhnt haben. Das ist nicht nur rechtlich, sondern auch psychologisch eine Hürde. Andere Aspekte - wer erleidet den größten Gesichtsverlust - spielen auch eine Rolle. In der dreijährigen Diskussionen um den Ausschluss der Stents hatten sich die Beteiligten immer wieder erbitterte Vorwürfe gemacht. Um den Schutz der Patienten geht es offenbar schon lange nicht mehr.

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