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Spachentwicklung bei Babys:Spätes Sprachenlernen funktioniert ganz anders

"Wer eine Sprache erst später lernt, aktiviert neben dem ursprünglichen Netzwerk der Muttersprache ein neues Netzwerk", sagte Ellen Bialystok von der York University in Toronto bei der Tagung in Washington. Er habe dadurch mehr Mühe und könne - trotz einer hohen Wortschatzkompetenz und Motivation - nie annähernd das Niveau eines Zweisprachlers erreichen.

Als Spätlernender habe man völlig andere Voraussetzungen. Man brauche meist zunächst einige Zeit, ein Gefühl für die Eigenheiten der Fremdsprache zu bekommen, sagte die Sprachwissenschaftlerin Sonja Kotz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig. Das Gehirn müsse sich zuerst einmal an die anderen Sprechrhythmen gewöhnen. In der Muttersprache, so die Forscherin, werde dagegen das Gehörte meist ohne große Anstrengung annähernd in Echtzeit verarbeitet.

Kaum zu Ende gehört, sei der Sinn eines Satzes auch schon verstanden. Dies sei jedoch nur möglich, weil der Hörer die Wörter oft schon erwartet und das zugrunde liegende neuronale Netzwerk diese intuitiv verarbeitet.

Des Weiteren kommt es sehr darauf an, um welche zusätzliche Sprache es sich bei Spätlernern handelt. Im Deutschen und Englischen gibt es ähnliche Betonungsmuster, die das Erkennen von Wortgrenzen im Sprachfluss genau bestimmen. Im Französischen werden dagegen die Laute anders hervorgehoben.

"Deshalb fällt es etwa einem französischen Muttersprachler eher schwer, Deutsch oder Englisch zu sprechen", sagte Sonja Kotz in Washington. Ohne die Melodie der Sprache verinnerlicht zu haben, macht man laut einer neuen Studie des Leipziger Forschungsteams auch mehr Fehler bei der Grammatik.

Lernen Kinder von klein auf zwei Sprachen, hat das bis ins Alter einen positiven Einfluss für die kognitiven Fähigkeiten. Untersuchungen mit alten Menschen, die bilingual aufgewachsen sind, ergaben, dass sie im Vergleich zu reinen Muttersprachlern später an der Alzheimer-Krankheit oder anderen Arten von Demenz leiden.

"Es scheint, dass die Verarbeitung von zwei Sprachen dazu beiträgt, dass das Gehirn länger fit bleibt", sagt Ellen Bialystok. Im Durchschnitt erkranken Zweisprachler erst fünf Jahre später an Alzheimer oder Demenz.

Doch was ist mit Menschen, denen nicht von Geburt an zwei Sprachen in die Wiege gelegt werden? Haben sie überhaupt eine Chance, mit Übung und Fleiß das Versäumte jemals wettzumachen? "Es ist nie zu spät und stets ein gutes Training fürs Gehirn, egal ab welchem Alter", sagt Sonja Kotz. Man dürfe aber nicht erwarten, dass man eine Fremdsprache dann irgendwann perfekt beherrsche.

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© SZ vom 22.02.2011/mcs

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