DermatologieKann man die alte Sonnencreme noch benutzen?

Lesezeit: 2 Min.

Bei Kindern ist Sonnencreme besonders wichtig.
Bei Kindern ist Sonnencreme besonders wichtig. imago/Emil Umdorf
  • Sonnencreme ist meist sechs oder zwölf Monate nach Öffnung haltbar und sollte dann auf Konsistenz, Geruch und Aussehen geprüft werden.
  • Alte Sonnencreme verliert langsam ihre Wirksamkeit, wobei chemische Varianten in toxische Substanzen zerfallen können, besonders bei Octocrylen-haltigen Produkten.
  • Für den ganzen Körper sollten Erwachsene etwa vier Esslöffel Sonnencreme pro Anwendung verwenden, um ausreichend geschützt zu sein.
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Sobald es wärmer wird und sich die Sonne öfter zeigt, kramt man im Kosmetikschrank und findet die Tube aus dem Vorjahr. Schützt sie noch?

Von Baltasar Brembeck

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Die ersten Sonnenstrahlen dieses Jahres kommen, und mit ihnen die ersten Sonnenbrände. Also einschmieren. Nur: Schützt die alte Sonnencreme aus dem Vorjahr überhaupt noch, oder sollte man besser eine neue kaufen?

Tatsächlich bauen sich die in der Sonnencreme eingebauten Sonnenschutzfilter mit der Zeit teilweise ab. Sobald die Sonnencreme mit Licht, Luft und Wärme in Berührung kommt, fangen die Substanzen an, chemisch zu zerfallen, sagt Julia Welzel, Dermatologin und Direktorin der Hautklinik am Universitätsklinikum Augsburg. Nach dem Öffnen sind Sonnencremes daher nur begrenzt haltbar. Wie lange, ist meist auf der Packung angegeben, neben dem Symbol, das eine geöffnete runde Dose zeigt: „12 M“ etwa steht für zwölf Monate. In der EU sind Hersteller verpflichtet, die Haltbarkeit nach dem Öffnen zu kennzeichnen und nur zugelassene UV-Filter, darunter Octocrylen, zu verwenden.

Alte Sonnencreme könnte aber im schlimmsten Fall nicht nur weniger wirksam, sondern schädlich sein. Im Jahr 2021 hat eine Studie eines französisch-US-amerikanischen Forscherteams gezeigt, dass der chemische Sonnenschutzfilter Octocrylen problematische Zerfallsprodukte bildet.

Die Autoren hatten ein Dutzend in Drogeriemärkten angebotene Sonnencremes gekauft und sechs Wochen lang bei 40 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit künstlich altern lassen, was nach Angaben der Forscher einem Jahr Alterung bei Raumtemperatur entspricht. Das Ergebnis: Benzophenon wurde dabei nicht nur als Zerfallsprodukt gealterter Cremes nachgewiesen, sondern bereits im reinen Octocrylen-Rohstoff. Benzophenon steht im Verdacht, krebserregend zu sein und wie ein Hormon im Körper zu wirken. „In höheren Konzentrationen kann es möglicherweise schädlich sein“, sagt Julia Welzel.

Auf der Sonnencreme-Verpackung ist nicht immer einfach zu erkennen, ob Octocrylen enthalten ist. Eine Sonnencreme hat viele verschiedene Sonnenschutzfilter, Octocrylen ist in der Zutatenliste meist schwer zu finden. Bei neueren Sonnencremes gibt es aber oft einen Hinweis, der klarstellt: ohne Octocrylen. „Ein Grund mehr, alte Sonnencremes wegzuschmeißen“, sagt Julia Welzel. Doch egal ob mit oder ohne Octocrylen: Der Sonnenschutz lässt mit der Zeit nach.

Eine Alternative sind Sonnencremes mit mineralischen Partikeln, meist Zinkoxid oder Titandioxid – oft auf der Verpackung als „mineralisch“ gekennzeichnet. Sie machen die Haut oft etwas weißlich. Dafür sind diese Filter photostabiler: Sie bauen sich unter UV-Strahlung kaum ab und bleiben dadurch länger wirksam. Allerdings ist die Haltbarkeit nach dem Öffnen auf der Verpackung meist ebenfalls mit zwölf Monaten angegeben.

Die meisten Sonnencremes im Drogeriemarkt enthalten andere, nicht-mineralische Filter. Aber auch das seien sichere Produkte, betont Dermatologin Julia Welzel. „Ich habe viele Patienten an Hautkrebs sterben sehen, aber keine Patienten, die ein ernsteres Problem durch die Anwendung eines Lichtschutzmittels hatten“, sagt sie.

Wer seine Sonnencreme aus dem Vorjahr noch nutzen möchte, sollte zunächst das Mindesthaltbarkeitsdatum prüfen. Wenn die Creme krümelt, in wässrige und ölige Phasen zerfällt oder übel riecht, sollte man sie in jedem Fall entsorgen. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, Cremes dunkel und kühl zu lagern.

Ohnehin gilt, egal ob alte oder neue Creme: Wer sich vor einem Sonnenbrand schützen möchte, sollte sich großzügig einschmieren. Im Freien sollte man regelmäßig gründlich nachcremen – vor allem nach dem Schwimmen oder nach schweißtreibendem Sport. So sollte auch eine ganze Flasche in einem Jahr aufgebraucht werden.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Textes war von „chemisch“ und „physikalisch“ wirkenden Sonnencremes die Rede. Dieser Gegensatz ist wissenschaftlich nicht korrekt, der dominante Schutzmechanismus ist sowohl bei synthetischen als auch bei mineralischen Filtern Absorption von Strahlung. Wir haben die Stelle korrigiert.

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