Skandal um Organtransplantationen Ausgesprochen sorgfältige Dokumentation in Regensburg

Ausgesprochen sorgfältig ist der PÜK zufolge in Regensburg auch die Dokumentation der alkoholbedingten Transplantationen gewesen. "In kaum einer anderen Klinik hat es so viele psychiatrische Gutachten zur Überprüfung der Alkoholabstinenz gegeben wie in Regensburg", sagt Rissing-van Saan. In den wenigen Fällen, in denen eine Transplantation vor Erreichen der Sechs-Monats-Karenz erfolgt sei, hätten die Ärzte keineswegs fahrlässig gehandelt: "Die medizinischen Daten, das psychiatrische Konzil und die Angaben der Patienten sprachen dafür, dass sie mindestens die geforderten sechs Monate trocken waren."

Diese Ergebnisse könnte das Klinikum Regensburg womöglich auch hinsichtlich einer Publikation entlasten, die in Fachkreisen für Empörung gesorgt hatte: Regensburger Ärzte hatten im Jahr 2011 in der Fachzeitschrift "Scandinavian Journal of Gastroenterology" Ergebnisse von Lebertransplantationen bei alkoholkranken Patienten publiziert, die zuvor nur kurze Zeit abstinent gelebt hatten. Man habe nicht mit Vorsatz nach kürzerer Karenz transplantiert, hatten die Ärzte diese Publikation erklärt. Vielmehr hätten die Patienten die Ärzte über ihren Alkoholkonsum hinweggetäuscht. Erst nach der Transplantationen hätten sie ehrlich zugegeben, dass sie erst kurze Zeit trocken gewesen waren.

Die Ergebnisse sind auch für die Rehabilitation des Regensburger Chirurgie-Chefs Hans Schlitt von Bedeutung. Schlitt war scharf für die Vorgänge in seiner Klinik kritisiert und im Jahr 2012 auch für einige Monate beurlaubt worden. Zu dem positiven Prüfbericht äußerte er sich nicht. Das Uniklinikum teilte mit, man nehme diesen "erfreut zur Kenntnis".

Was bleibt, ist die stattliche Reihe von Richtlinienverstößen in den Jahren 2003 bis 2006. Berüchtigt ist auch ein Vorfall aus dem Jahr 2005, der als "Leber von Amman" in die Annalen der deutschen Transplantationsmedizin einging. Damals hatten Regensburger Ärzte gegenüber der Organvermittlungsstelle Eurotransplant angegeben, eine jordanische Patientin liege krank in Regensburg und brauche dringend eine Spenderleber, die ihr auch zugeteilt wurde. Doch in Wirklichkeit lag die Frau in einer Privatklinik in Jordaniens Hauptstadt Amman, wo der in Göttingen angeklagte Doktor O. ihr die Spenderleber transplantierte, die einem europäischen Patienten zugestanden hätte. Schlitt sagte der SZ einmal, sein damaliger Mitarbeiter O. habe ihn über den Verbleib der Leber getäuscht.

Auch wenn Schlitt die Vorkommnisse aus früheren Zeiten nicht ungeschehen machen kann, so kann er nun zumindest belegen, dass unter seiner Führung in den vergangenen Jahren in Regensburg alles mit rechten Dingen zuging.