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Sinn und Unsinn von Fasten:Ballaststoffe fürs Gehirn

Auch die Blutgefäße sind keine starren Rohre, die sich mit der Zeit wie eine Wasserleitung zusetzen und wieder blankgeputzt werden können. Blutgefäße sind elastisch, können sich weiten und zusammenziehen und so die Menge des Blutflusses regulieren.

Zwar können sich in den Blutgefäßen so genannte "Plaques" bilden. Aus abgestorbenen Blutzellen und Cholesterinkristallen formen sich Ablagerungen in den Gefäßen, die verkalken können. Doch auch sie sind nicht mit einem Entschlackungstee oder anderen "reinigenden" Maßnahmen zu entfernen.

Der Glaube an die körperliche Reinigung erhöht die Entschlackung zu einer quasi-religiösen Läuterung. Die Vorstellung, sich von schädlichem Ballast zu befreien und sich "von innen heraus" zu säubern, trägt dazu bei, wenn sich Menschen nach Entschlackungskuren besser fühlen. Diese seelische Zugabe ist auch beim Fasten wichtig, das seit Jahrhunderten in vielen Religionen gepflegt wird.

Wenn während des Fastens weiterhin wichtige Nahrungsbestandteile zugeführt werden, sind die Risiken gering. Totales Fasten kann jedoch gefährlich werden: Die Nieren sind dann stärker belastet; Nierensteine bilden sich schneller. Es kann leichter zu Kreislaufstörungen, Herzrhythmusstörungen und Schwindel kommen. Wer zuvor erhöhte Harnsäurewerte im Blut aufweist, kann durch Fasten einen Gichtanfall auslösen. Unterzuckerungen treten häufiger auf, die sich als Zittern, Schwitzen oder Unruhe zeigen.

Muskelkrämpfe, Sehstörungen und ein Hexenschuss sind bei komplettem Nahrungsentzug ebenfalls häufiger. Bei hohen Eiweißverlusten während der ersten Fastentage ist der Herzmuskel in Gefahr. Aus diesen Gründen kann totales Fasten nicht empfohlen werden. "Wenn zu lange gefastet wird oder Kinder, Kranke und Normalgewichtige fasten, kann der Angriff auf die Energiereserven gefährlich werden. Auch bei kurzzeitigem Fasten können Probleme auftreten", warnt die DGE.

Natürlich gibt es Menschen, die sich nach Fastenkuren leichter, reiner und befreiter fühlen. Das liegt dann eher an den Heilserwartungen, die Fastenfreunde hegen, womöglich auch an Kreislaufstörungen und Schwindelgefühlen. Eine zeitweise eingeschränkte Gehirndurchblutung kann schon mal euphorische Gefühle auslösen. "Fasten ist aber nicht geeignet, um langfristig Gewicht zu verlieren", sagt Internist und Ernährungsexperte Reincke. "Es hat sogar einen ungünstigen Effekt, denn die starke Gegenregulation des Körpers führt dazu, dass die Kilos schneller wieder drauf sind."