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Seuchenbekämpfung:Gentech-Mücken in Florida

57 Prozent der Wähler von Monroe, Florida haben sich für die Freisetzung der transgenen Mücke OX513A entschieden. Sie soll helfen, das Zika-Virus einzudämmen.

(Foto: Miguel Schincariol/AFP)

Die Wähler der Keys haben entschieden: Im Ringen mit dem Zika-Virus sollen am südlichen Zipfel des Bundesstaates Moskitos mit verändertem Erbgut freigesetzt werden.

Von Kathrin Zinkant

Die Wähler im Süden Floridas durften am Dienstag nicht nur über die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten abstimmen. Sondern auch über die Freisetzung transgener Moskitos in den Florida Keys: 57 Prozent im County Monroe haben sich auf ihren Wahlzetteln dafür ausgesprochen.

Anlass für die Entscheidung ist die zunehmende Verbreitung des Zika-Virus. Vor allem im östlich von Monroe gelegenen County Miami-Dade hatten sich in den vergangenen Monaten immer häufiger Menschen mit Zika infiziert. Als gesichert gelten derzeit knapp 200 lokal übertragene Fälle. Der Erreger wird durch weibliche Mücken der Spezies Aedes aegypti verbreitet. Die Erkrankung selbst verläuft meist milde, steht aber im Verdacht, während einer Schwangerschaft das Risiko für sogenannte Mikrozephalien des Ungeborenen zu erhöhen. Dabei kommen die Babys mit extrem kleinen Schädeln und Gehirnen zur Welt. Bislang wurden 130 Schwangere in Florida positiv auf das Virus getestet.

Bereits im September hatten sich Politiker daher für den raschen Einsatz genetisch veränderter Mücken der britischen Firma Oxitec stark gemacht. Die Moskitos namens OX513A sind durchweg männlich und mit einem Gen ausgestattet, das die Entwicklung der Larven verhindert. Im Labor kann das Gen durch ein Antibiotikum abgeschaltet werden. In die Freiheit entlassen paaren sich die Männchen und geben das Todesgen an ihre Nachkommen weiter. Dabei wird es automatisch aktiv, weil das Antibiotikum fehlt. Die Brut hat somit kaum eine Chance zu überleben.

Die Oxitec-Mücken gibt es bereits seit acht Jahren. Erste Freisetzungen in Brasilien und auf den Cayman-Inseln verliefen erfolgreich, die Zahl der Mücken wurde um bis zu 90 Prozent reduziert. Da nur Männchen freigesetzt werden, gilt die Gefahr von Stichen durch transgene Mücken als gering, ein Risiko für Menschen ist unwahrscheinlich. Trotzdem war der Widerstand gegen einen geplanten Test der Mücken in Florida vor Zika noch groß. Erst jetzt, da sich das Virus ausbreitet, wird der Eingriff im Süden Floridas begrüßt.

© SZ vom 10.11.2016

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