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Seuchen:Lepra in Florida

An eight-month old southern three-banded armadillo is seen in its

Gürteltiere sind auf dem amerikanischen Kontinent heimisch.

(Foto: dpa)

Neun Menschen haben sich seit Jahresbeginn in Florida mit Lepra infiziert. Die Ansteckung geht vermutlich auf Gürteltiere zurück.

Von Werner Bartens

Das Gürteltier birgt die Gefahr. Anders können sich örtliche Mediziner und Experten der Seuchenkontrollbehörde CDC in Atlanta nicht erklären, warum in Florida in diesem Jahr bereits neun Neuinfektionen mit Lepra aufgetreten sind. Die gepanzerten Säuger übertragen das Lepra-Bakterium offenbar mit dem Speichel. Kommen Menschen mit den Tieren in Kontakt, können sie sich anstecken. Im Durchschnitt treten in Florida jedes Jahr zehn Infektionen auf; dieses Jahr scheint es mehr Krankheitsfälle zu geben.

Lepra ist eine Krankheit, die weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Angesichts von neueren und weitaus bedrohlicher erscheinenden Seuchen wie Ebola, Mers, Sars oder Vogelgrippe wirkt der schon in der Bibel beschriebene "Aussatz" altmodisch und fern. Ist das Leiden nicht längst ausgerottet? Keineswegs, jedes Jahr stecken sich ungefähr eine Viertelmillion Menschen weltweit neu mit dem Lepra-Bakterium an; Schätzungen variieren zwischen 230 000 und 270 000. Besonders betroffen ist Indien, wo mehr als zwei Drittel aller Infizierten leben. Aber auch Indonesien, Brasilien, Myanmar und mehrere afrikanische Staaten sind von dem Leiden stark betroffen.

Zwischen zwei und vier Millionen Menschen weltweit leiden unter Verstümmelungen infolge der Krankheit. Weil Nerven absterben und Blutgefäße verstopfen, entstehen leicht Verletzungen an Händen und Füßen. Da die Menschen die Wunden aufgrund ihrer lädierten Nerven nicht spüren und dort keine Schmerzen mehr empfinden, kommt es schnell zu Infekten, und die Gliedmaßen werden noch stärker in Mitleidenschaft gezogen. Lepra lässt sich mit Antibiotika behandeln, besonders im Frühstadium sind die Aussichten noch recht gut, später kann sich die Behandlung lange hinziehen.

In Deutschland ist die letzte Neuinfektion zu Beginn des 20. Jahrhunderts und damit vor mehr als 100 Jahren aufgetreten. Wird die Krankheit in Deutschland diagnostiziert, handelt es sich um importierte Fälle von Reisenden oder Menschen aus betroffenen Ländern.

© SZ vom 27.07.2015

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