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Schutzkleidung gegen Ebola:Es riecht unangenehm nach PVC

Thomas Kratz, 38, arbeitet in einer Allgemeinarztpraxis in Berlin. Im Juni und Juli war er in Sierra Leone, um Ebola-Patienten zu behandeln.

(Foto: Barbara Sigge/Ärzte ohne Grenzen)

Wir benutzen bei "Ärzte ohne Grenzen" fast immer diesen gelben Anzug von der Firma Tychem. Der gehört auch zu den angenehmsten, die ich bisher angehabt habe. Er schließt besonders gut ab. Darunter trage ich noch grüne Baumwollkleidung, wie man sie aus OP-Sälen kennt. Die wird einfach gewaschen und in der Sonne aufgehängt, bevor man sie wieder anzieht. An ihr sollten ja eigentlich keine Viren sein. Außerdem tötet Sonnenlicht die Erreger ab. Und Ebola-Viren sind außerhalb des Körpers ohnehin nicht sehr überlebensfähig. Außerdem trage ich meine eigene Unterwäsche. Die lasse ich an und wasche sie auch selber. Ansonsten sollte man natürlich noch darauf achten, die ganz normale Körperhygiene einzuhalten. Aber nach dieser Arbeit ist man sowieso für jede Dusche dankbar.

Eine halbe Stunde, maximal eine: Länger hält man es in dem Anzug nicht aus, schon gar nicht in Sierra Leone. Dort ist es so heiß wie in Berlin nur im Hochsommer. Und in dem Anzug wird es mit der Zeit unglaublich warm. Ständig spürt man die eigene Atmung. Man hat ja diese Maske auf, die auch bei der Behandlung von Tuberkulose-Patienten verwendet wird. Dadurch wird es noch wärmer. Und der feuchte Atem schlägt ständig zurück. Unangenehm ist auch der PVC-mäßige Geruch. Es riecht so ein bisschen nach Regenmantel. Nach kurzer Zeit merkt man das allerdings nicht mehr.

Diese ganze Situation ist extrem kräftezehrend. Das Leid der Menschen, aber auch das Arbeiten in dem Anzug. Ich habe im Juni und Juli sechs Wochen unbezahlten Jahresurlaub genommen, um den Menschen in Westafrika zu helfen. Aber danach brauchte ich noch meinen ganz normalen Jahresurlaub, um mich zu Hause davon zu erholen.

Bevor ich den Anzug anziehe, kontrolliere ich immer, dass keine Löcher, Risse oder irgendwelche Fehler drin sind. Drei Größen gibt es, ich nehme M oder L - was gerade da ist. Gut sitzen muss so ein Ding ja wirklich nicht. Bisher war jeder Anzug bei mir komplett in Ordnung. Aber man kann immer noch beim Anziehen Fehler machen. Deshalb kontrollieren wir Ärzte uns gegenseitig - im Buddy-System, ähnlich wie beim Sporttauchen. Dabei achten wir genau drauf, dass alles richtig anliegt. Dass beim Übergang zwischen Anzug und Handschuhen kein Spalt frei bleibt. Wir gehen auch immer zu zweit auf die Krankenstation.

Unter den großen Gummihandschuhen tragen wir noch dünne Vinylhandschuhe, wie in Deutschland in der Notaufnahme. Die zieht man sehr vorsichtig an, damit ja kein Loch reinkommt. Es ist natürlich nicht so angenehm, mit zwei Paar Handschuhen Blut abzunehmen und den Kranken den Puls zu fühlen. Aber mit ein bisschen Übung geht es.

Wenn man die Handschuhe einmal anhat, wechselt man sie innerhalb der Hochrisikozone nicht mehr. Dort muss der ganze Körper immer bedeckt sein. Bevor ich zum nächsten Patienten gehe, wasche ich mir die behandschuhten Hände aber mit Chlorlösung, um sie zu desinfizieren.

Auf der Station kommt der Eigenschutz absolut an erster Stelle. So hart das jetzt klingt, aber wenn ich als Arzt wegen der Hitze nicht mehr klarkomme, verlasse ich sofort die Station. Selbstverständlich kontrolliert und diskret. Die Sicherheit muss gewahrt bleiben, und die Patienten sollen bloß nicht denken, man renne vor ihnen weg. Und natürlich muss der Kollege informiert werden, er muss dann ja ebenfalls gehen.

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