Süddeutsche Zeitung

Schutz vor Gewitter:Wie Sie sich vor Blitzen schützen

Gruppen meiden und Uhren ablegen: Tipps für das richtige Verhalten bei Gewitter.

Von Berit Uhlmann

Zehn Mal pro Sekunde schlägt irgendwo auf der Welt ein Blitz ein. 24 000 Menschen sterben jährlich im Gewitter, zehnmal so viele werden verletzt. Allerdings saust der Blitz nur auf sehr wenige Menschen ungebremst herab. 95 Prozent seiner Opfer trifft er indirekt: Er schlägt zunächst in Wasser, Boden, Bäume oder Bauwerke ein und sucht sich erst dann einen Weg durch die Körper, die mit ihnen in Berührung kommen. Blitze können zudem Entfernungen von etwa 4,5 Metern überspringen; das sollte man im Kopf behalten, wenn man Schutz vor einem Gewitter sucht. Die wichtigsten Tipps.

Wann Schutz suchen?

Wie viele Kilometer ist das Gewitter entfernt? Theoretisch funktioniert die alte Methode zur Abschätzung: Man zähle die Sekunden zwischen Blitz und Donner und teile die Summe durch drei. Doch für die Praxis empfehlen Experten die Rechnerei nicht. Die Wilderness Medical Society warnt, dass Menschen die Dauer einer Sekunde falsch einschätzen oder bei der Zuordnung von Blitz und Donner irren können. Die Empfehlung der Experten lässt sich stattdessen in dem einfachen Satz zusammenfassen: "When thunder roars, go indoors". Sobald also ein Donner kracht, sollten Menschen Schutz suchen und erst dann wieder hervorkommen, wenn das letzte Grollen seit mindestens 30 Minuten verklungen ist.

Wo Schutz suchen?

Sicher sind Häuser mit Blitzableitern und Fahrzeuge mit Metalldach. Sind Türen und Fenster geschlossen, schirmt der Wagen die Insassen gegen den Strom des Blitzes ab. Die Abschirmung funktioniert nach Angaben des ADAC auch im Cabrio.

Im Freien gibt es keinen zuverlässigen Schutz; Wanderer können lediglich versuchen, dem Blitz so gut es geht aus dem Weg zu gehen. In Schluchten, Gruben oder Senken gelingt das am ehesten. Das Innere eines Waldes ist sicherer als der Waldrand oder das freie Feld. Im Notfall können auch Scheunen und Hütten als Unterschlupf dienen, sofern man sich möglichst weit von den Wänden entfernt aufhält.

Welche Orte meiden?

Der Blitz sucht sich das nächstbeste herausragende Objekt. Ragt im weiteren Umkreis nur ein Baum oder Mast empor, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit getroffen; seine Nähe ist daher gefährlich. Ist der Mensch die einzige Erhebung in der Landschaft, wird er vermutlich zum Ziel. Freie Felder sind daher zu meiden. Das gleiche gilt für Gewässer, sie leiten Strom besonders gut.

Das Dilemma der Gruppe

Welche Körperhaltung ist am sichersten?

Haben Wanderer kein Dach zwischen sich und den Naturgewalten, gilt es, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Das heißt: klein machen und den Kontakt zur Erde so gering wie möglich halten, da der Blitzstrom auch durch den Boden fließen kann. Am besten kauert man sich auf den vorderen Teil der Füße, die möglichst eng beieinander stehen sollten. Schaumstoffmatten, Rücksäcke oder Kleiderbündel unter den Füßen können den Strom unter Umständen etwas bremsen, sofern sie kein Metall enthalten.

Wohin mit einer Gruppe von Leuten?

Werden mehrere Menschen im Freien vom Gewitter überrascht, laufen sie Gefahr, dass der Blitz von einem zum anderen überspringt. Es ist nicht leicht, sich inmitten tosender Naturgewalten zu trennen. Dennoch ist es sicherer, sich mindestens sechs Meter voneinander entfernt aufhalten.

Was hilft noch?

Metall am Körper kann im Falle eines Blitzschlags Verbrennungen begünstigen. Daher sollten Uhren, Schmuck und Gürtel während eines Gewitters entfernt werden.

Wie erste Hilfe leisten?

Ein Blitzschlag kann Herz und Atmung aussetzen lassen. In diesem Fall sollten Ersthelfer umgehend handeln. Rufen Sie die 112 und beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung, also der Herzdruckmassage und Beatmung (Anleitung in unten stehendem Video). Im Körper des Blitzopfers verbleibt kein Reststrom; Helfer setzen sich also keiner Gefahr aus.

Ist das Blitzopfer nur bewusstlos, atmet aber noch, wird es in die stabile Seitenlage gedreht. Wichtig ist, seine Atmung zu überwachen (mehr dazu in diesem Video).

Zu den Folgen eines Blitzschlags können auch Verbrennungen gehören. Laien sollten sich jedoch nicht an den Brandwunden zu schaffen machen. Vielmehr sollte die verletzte Haut nach Möglichkeit mit sterilen oder zumindest sauberen Textilien abgedeckt werden, um Infektionen zu vermeiden. Bei größeren Verbrennungen oder einem Schock sollte der Verletzte warm gehalten und beruhigt werden.

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(Quellen: Wilderness Medical Society, Deutsches Rotes Kreuz, Verband der Elektrotechnik)

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SZ.de/beu/rus
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