Schuppenflechte "Ein Leben ohne Einschränkung ist mittlerweile möglich"

Am 29. Oktober 2013 ist Welt-Psoriasistag In Deutschland besteht Verbesserungsbedarf bei der Versorgung von Patienten mit Schuppenflechte. Weiterer Text über OTS und www.presseportal.de/pm/6603 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: 'obs/MSD SHARP & DOHME GmbH/©fotolia/Farina3000'

Noch immer isolieren sich Menschen, weil sie unter Schuppenflechte leiden. Das muss nicht sein, sagen Hautärzte. Ein Dermatologe über neue Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten der Psoriasis.

Interview: Berit Uhlmann

Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine Erkrankung, die viele Betroffene stark belastet. Die Haut schuppt sich oft großflächig, sie ist gerötet und entzündet. Nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Dermatologen gehen trotz dieses Leids etwa 24 Prozent der Menschen in Europa nicht mehr zum Arzt. Die Gründe dafür und neue Behandlungsmöglichkeiten erläutert der Dermatologe, Ralph von Kiedrowski. Er betreibt in Selters (Rheinland-Pfalz) eine Schwerpunktpraxis für Psoriasis-Patienten und ist Mitglied im Vorstand des Berufsverbandes Deutscher Dermatologen.

Süddeutsche.de: Wieso scheuen so viele Psoriasis-Patienten den Arzt?

Ralph von Kiedrowski: Die Scheu ist zum einen historisch bedingt. Schuppenflechte wird von manchen Patienten noch immer als stigmatisierend erlebt. Die Betroffenen kapseln sich ab und gehen kaum in die Öffentlichkeit. Lange Zeit konnten wir ihnen auch nur bedingt helfen, denn die verfügbaren Mittel linderten die Beschwerden nicht immer zufriedenstellend. Da wurde ein Behandlungsversuch nach dem anderen gestartet. Irgendwann gaben die Patienten dann auf. Manche sind bis heute aus den Praxen verschwunden.

Könnten Sie ihnen denn heute besser helfen?

Nach wie vor ist die Schuppenflechte nicht ursächlich heilbar. Betroffene werden immer wieder Schübe erleben, gerade jetzt, wenn die kalte Jahreszeit beginnt. Doch in den vergangenen Jahren sind eine ganze Reihe neuer Medikamente hinzugekommen, beispielsweise die so genannten Biologika. In den kommenden Jahren werden wahrscheinlich weitere zugelassen. Mittlerweile können wir selbst Patienten mit schwerer Schuppenflechte so gut behandeln, dass ein Leben ohne Einschränkungen möglich ist.

Dann müssten ihnen die Patienten doch jetzt eigentlich die Türen einrennen ...

Zum einen wissen manche Patienten noch gar nichts von den neuen Möglichkeiten. Zum anderen können gerade die Biologika nicht gleich zu Beginn verordnet werden. Zunächst werden die älteren Medikamente eingesetzt. Mitunter brauchen Patienten noch immer viel Geduld, bis das richtige Präparat für sie gefunden wird.

Reicht es überhaupt, den Patienten neue Medikamente oder Salben zu verschreiben?

Nein, auch dies hat sich in den letzten Jahren deutlicher gezeigt. Wir betrachten die Schuppenflechte heute nicht mehr als eine reine Hautkrankheit, sondern gehen von einer systemischen Erkrankung des gesamten Organismus aus. Psoriasis-Patienten leiden oft noch unter weiteren Problemen: Gelenkbeschwerden, Diabetes, Herz-Kreislauf- und entzündliche Darmerkrankungen kommen beispielsweise gehäuft vor.

Kann ein Hautarzt all diese Krankheiten im Blick behalten?

Nun, grundsätzlich schon, mehr und mehr bilden sich aber Schwerpunktpraxen. Spezialisierte Hautärzte arbeiten dabei in Netzwerken eng mit Medizinern weiterer Fachrichtungen zusammen. Man findet solche Praxen beispielsweise unter www.psonet.de/regionale-netze/.

Und was ist mit der Psyche der Betroffenen?

Psoriasis-Patienten können stark unter ihrer Haut leiden. Als Folge können Depressionen und Angststörungen auftreten. Sie bessern sich meist mit dem Erscheinungsbild der Haut. Daneben gibt es aber auch Depressionen, die Teil der Grunderkrankung sind, also unabhängig von der Bewältigung der Hautprobleme auftreten. Sie müssen vom Facharzt oder Psychologen behandelt werden. Dies ist ein echtes Nadelöhr, denn auf einen Platz beim Psychiater oder Psychotherapeuten müssen Patienten in manchen Regionen lange warten.

Betroffene brauchen auch Rat in Alltagsfragen. Wo finde ich zum Beispiel einen Frisör, der mit meiner Kopfhaut umgehen kann? Welche Rolle spielt die Ernährung? Wer hilft dabei?

Leider zahlen die Kassen den Hautärzten immer die selbe Pauschale, egal ob Jemand mit einer harmlosen Warze kommt oder mit einer so komplexen Erkrankung wie einer Schuppenflechte. Nicht immer kann der Hautarzt so gründlich beraten, wie es wünschenswert wäre. Alltagshilfe finden Patienten aber auch bei Selbsthilfeorganisationen wie dem Deutschen Psoriasis-Bund oder dem Psoriasis-Netz. Solche Gruppen können in der Bewältigung der Krankheit sehr hilfreich sein.

Weiter Informationen zur Schuppenflechte und zu anderen Erkrankungen der Haut finden Sie in unserem Ratgeber Hautkrankheiten.