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Coronavirus:Nasenabstrich leicht gemacht

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Schnelltests zeigen ein Ergebnis bereits nach einigen Minuten an.

(Foto: Martin Wagner via www.imago-images.de)

PCR-Test, Antigentest, Schnelltest, Laientest - was sich hinter diesen Begriffen verbirgt und was man beim Corona-Test in Eigenregie beachten muss.

Von Felix Hütten und Berit Uhlmann

In Deutschland können sich nun Menschen auch selbst auf das Coronavirus testen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte am Mittwoch drei solcher Heimtests eine Sonderzulassung erteilt. Damit gibt es mehr Möglichkeiten der Infektionskontrolle, aber womöglich auch mehr Verwirrung: Antigentest, Schnelltest, Laientests - was verbirgt sich hinter den Begriffen? Was ist bei der Anwendung zu beachten?

Grob lassen sich zwei Arten von Tests unterscheiden: Zum einen die von Beginn der Pandemie an eingesetzten PCR-Tests, die Erbgutschnipsel des Coronavirus nachweisen. Sie müssen im Labor ausgewertet werden und liefern selbst bei optimaler Abwicklung frühestens nach vier bis fünf Stunden ein Ergebnis. Die zweite Kategorie bilden Antigen-Schnelltests, die auf ein für Sars-CoV-2 spezifisches Eiweiß reagieren. Ihr Resultat steht nach etwa 15 bis 30 Minuten zur Verfügung, ein Labor ist nicht nötig. Zu den Antigen-Schnelltests gehören sowohl die neuen Laientests auch als die schon zuvor von medizinischem Personal vorgenommenen Schnelltests, die beispielsweise in Altenheimen zum Einsatz kommen.

Funktionsweise:

Antigen-Schnelltests funktionieren alle nach demselben Prinzip: Die gewonnene Probe - egal, ob durch Spucken oder Abstrich - wird auf ein Testkit aufgetragen, das ähnlich aussieht wie ein Schwangerschaftstest. Auf diesem Testkit befinden sich bestimmte Antikörper, die an ein für Sars-CoV-2 spezifisches Eiweiß andocken können, etwa das sogenannte Nukleocapsid. Gelingt es den Antikörpern, dieses Eiweiß zu erwischen, reagieren sie mit ihm - und bilden auf dem Teststreifen je nach Test etwa nach 15 Minuten einen Warnstrich: Die Probe erscheint positiv. Die Heimtests werden nach Angaben des BfarM zusätzlich noch darauf geprüft, dass sie auch für Laien einfach zu handhaben sind und verständliche Anweisungen enthalten.

Anwendung:

Das große Problem der Schnelltests war bislang: Um ein möglichst sicheres Ergebnis zu erhalten, brauchte es einen Abstrich tief hinten aus dem Nasen-Rachen-Raum. Die Prozedur war unangenehm, barg ein gewisses Verletzungsrisiko, und ein zögerliches Vorgehen konnte den Abstrich wertlos machen. Für die drei nun zugelassenen Heim-Tests genügt eine Probe, die weiter vorn in der Nase genommen wird - ein wesentlich einfacheres Prozedere. Erste Untersuchungen, unter anderem von der Charité Berlin, zeigen, dass Abstriche aus den Nasenlöchern zu ähnlich sicheren Ergebnissen führen können wie professionell genommene Abstriche - immer unter der Voraussetzung, dass die Anwender sich präzise an die Testanleitung halten.

Zuverlässigkeit:

Den Mindestanforderungen zufolge müssen Antigen-Schnelltests 80 Prozent oder mehr der Infizierten als korrekt positiv erkennen. Unter den Nichtinfizierten sollten mindestens 97 das richtige Ergebnis bekommen: negativ. Gemessen wird diese Leistung an den PCR-Tests, die noch immer als Goldstandard gelten. Dies zeigt bereits, dass die Antigen-Schnelltests weniger zuverlässig sind. Denn dem PCR-Test reichen bereits kleinste Virusmengen auf dem Tupfer, um eine Infektion zu erkennen. Der Antigen-Schnelltest benötigt größere Virusmengen. Doch vor allem zu Beginn oder am Ende der Infektion könnten nicht genügend Erreger vorliegen, um die Tests anspringen zu lassen. Allerdings geht man davon aus, dass Menschen mit einer sehr geringen Viruslast auch deutlich seltener andere Menschen anstecken.

Für die Anwender ist wichtig zu wissen: Ein positives Ergebnis gilt zunächst nur als Verdacht. Betroffene sollten sich sofort in Quarantäne begeben und das Resultat durch einen PCR-Test bestätigen lassen. Umgekehrt bietet ein negatives Resultat keine 100-prozentige Entwarnung. Es ist gut möglich, dass man sich zum Testzeitpunkt in der Anfangsphase einer Infektion befindet und schon Stunden später ansteckend ist. Das Ergebnis gilt daher immer nur für maximal einen Tag. Vorsichtsmaßnahmen wie Masken und Abstandhalten sind weiterhin notwendig.

© SZ
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