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Schmerztherapie:Zwist zwischen deutschen Schmerzgesellschaften

Ein Jahr später berichteten nun die Vertreter mancher Länder von Erfolgen: So wurde in Österreich ein hochkarätig besetztes Schmerzgremium direkt beim Gesundheitsministerium angesiedelt. In Schweden erhielten Schmerzpatienten das Recht auf multidisziplinäre Rehamaßnahmen. Und Italien hat sogar ein eigenes Schmerzgesetz verabschiedet, das Patienten das Recht auf eine spezialisierte Therapie nach spätestens zwei Monaten zusichert.

Nur in Deutschland ist offenbar am wenigsten passiert. Einer der Gründe: der Zwist zwischen den Schmerzgesellschaften. Von diesen gibt es hierzulande mindestens fünf, die in der Vergangenheit mitunter mehr gegeneinander als zusammengearbeitet haben.

Wenngleich es immer noch "Berührungsängste" der verschiedenen Gesellschaften gebe: In wichtigen Punkten habe man sich inzwischen zusammengerauft, sagt Wolfgang Koppert, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft. So seien die Weichen für ein Schmerzregister gestellt worden, das Daten für Forschung und Versorgung liefern soll. Gemeinsam hätten die Fachleute auch darauf hingearbeitet, dass Schmerztherapie nun endlich fester Bestandteil in der Ausbildung für Ärzte wird. Und an diesem Dienstag veranstalten die Schmerzgesellschaften zusammen den "Aktionstag gegen den Schmerz", an dem Schmerzspezialisten zwischen neun und 18 Uhr unter 0800-181 81 20 Fragen beantworten.

Die Aktion soll nicht nur informieren, sondern auch stärken: Immer noch wird Schmerz mit Schwäche assoziiert. "Aus dieser Ecke müssen wir die Patienten herausholen, damit nicht jeder bei dem Thema gleich weghören will", so Koppert. Er möchte Betroffene darin bestärken, auf ihre Situation aufmerksam zu machen, Forderungen zu stellen - auch, damit die Politik dem Schmerz eines Tages den Krieg erklärt.

© SZ vom 05.06.2012/beu/gba
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