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Schmerz:Ins Hirn gebrannt

Manchmal wollen die Schmerzen einfach nicht vergehen. Und kein Mediziner kann feststellen, woran das liegt. US-Neurowissenschaftler bieten nun eine mögliche Erklärung, weshalb manche Schmerzen chronisch werden.

Christina Berndt

Der Schmerz vergeht. Meistens. Aber nicht immer. Aus bisher ungeklärten Gründen bleiben Schmerzen bei manchen Patienten über Jahre bestehen, obwohl die körperlichen Ursachen längst abgeklungen sind.

Womöglich trägt eine spezielle Verschaltung im Gehirn dieser Menschen dazu bei, dass ihre Schmerzen chronisch werden, berichten Neurowissenschaftler um Vania Apkarian von der Northwestern University in Chicago (Nature Neuroscience, online).

Die Forscher fanden heraus, dass chronische Schmerzpatienten ihre Pein von Anfang an anders im Gehirn verarbeiteten als Menschen, deren Leid bald weicht.

Das Team hatte 39 Rückenschmerzpatienten mittels Kernspintomografie ein Jahr lang regelmäßig unter die Schädeldecke geblickt. Bei jenen 19 Personen, deren Schmerzen am Ende des Jahres anhielten, kommunizierten die sogenannte Insula und der Nucleus accumbens besonders intensiv miteinander. Diese Hirnregionen sind an der Verarbeitung von Gefühlen und am Lernen beteiligt. Womöglich also lässt das Leid jene Menschen nicht mehr los, die es besonders emotional verarbeiten.

Apkarian hofft nun, in Zukunft frühzeitig erkennen zu können, welche Patienten chronisch krank zu werden drohen. Dazu muss die Methode aber noch in umfassenden Studien validiert werden.

Der Bochumer Schmerzexperte Michael Zenz hält den Ansatz jedenfalls für "sehr plausibel, auch wenn es wahrscheinlich nicht die einzige Erklärung für die Entstehung chronischer Schmerzen ist", wie er sagt. Die "exzellente Arbeit" aus Chicago belege erneut, dass die Behandlung von Schmerzen möglichst frühzeitig beginnen solle.

© SZ vom 04.07.2012/mcs
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