Schlank im Schlaf? Wie die Nachtruhe das Gewicht beeinflusst

Es klingt verlockend: Schlafen und dabei schlank werden. Doch leider funktioniert es so einfach nicht. Dennoch hängt der Schlaf mit dem Gewicht zusammen.

Von Berit Uhlmann

Wer hin- und wieder sehr früh aufstehen muss, hat dies möglicherweise schon einmal erlebt: Man sitzt schlaff herum und hat dennoch Heißhunger, als hätte man soeben einen kleinen Wald abgeholzt. Denn ein unausgeschlafener Körper wappnet sich für harte Zeiten. Er schaltet in den Energiesparmodus und sendet Hungersignale aus.

Die Folgen sind in mehreren Studien gezeigt worden. Menschen, die weniger als sechs Stunden pro Nacht schlafen, essen mehr und nehmen eher zu als gut ausgeschlafene Zeitgenossen.

Doch nicht nur die Dauer, sondern auch die Zeiten des Schlafs beeinflussen das Gewicht. Menschen mit einem späten Tagesrhythmus - die also spät aufstehen und spät zu Bett gehen - bewegen sich weniger und essen mehr. Das gilt auch dann, wenn sie insgesamt nicht mehr Stunden im Bett verbringen als Frühaufsteher.

Eine australische Studie ergab, dass jugendliche Nachteulen 27 Minuten täglich länger auf ihrem Hintern sitzen als eine Vergleichsgruppe, die früher aufstand. Eine Untersuchung der Northwestern University in Chicago zeigte, dass Menschen mit spätem Tagesrhythmus fast 250 Kilokalorien pro Tag mehr zu sich nahmen als Frühaufsteher - vor allem am Abend. Dabei war ihr Fast-Food-Konsum etwa doppelt so hoch.

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Was ist dran an der Trend-Diät?

Die Ursache ist nicht ganz klar: Vielleicht haben die Menschen spätabends schlicht weniger Möglichkeiten an frische, leichte Kost zu gelangen und sich zu bewegen. Möglicherweise ist aber auch ein gestörter Biorhythmus verantwortlich. Wer lange wachbleibt und dann einen guten Teil des Tages verschläft, kann die innere Uhr so stören, dass sich die Steuerung von Appetit, Sättigung und Stoffwechsel verändert, vermuten die Forscher. Versuche an Ratten haben gezeigt, dass Tiere mit gestörtem Tag-Nacht-Rhythmus zunahmen, obwohl sie insgesamt nicht mehr Futter bekamen als Artgenossen, die nachts ruhig schliefen.

Allerdings bedeuten all diese Erkenntnisse nicht, dass man sie einfach umkehren kann und durch geregeltes, langes Schlafen Gewicht verliert. Im Gegenteil: Wer mehr als neun Stunden täglich im Bett verbringt, nimmt ebenfalls mit höherer Wahrscheinlichkeit zu - vermutlich, weil er sich weniger bewegt.

Nun setzt die Schlank-im-Schlaf-Methode von Detlef Pape zugleich auf eine bestimmte Diät. Dabei sollen Kohlenhydrate vor dem Schlafen reduziert werden, um die Fettverbrennung nachts anzukurbeln. Doch dies ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Grundsätzlich stimmt es zwar, dass ein Mangel an Kohlenhydraten den Körper dazu animiert, seine Energie aus anderen Quellen zu holen - und zwar aus den Fettpölsterchen. Aber: Es gibt keinen Nachweis, dass die Einschränkung der Kohlenhydrate ausschließlich oder ganz besonders in der Nacht eine Wirkung entfaltet.

Sich am Abend mit komplizierten Diätvorschriften abzumühen oder gar hungrig ins Bett zu gehen, ist mindestens überflüssig, unter Umständen sogar kontraproduktiv. Es könnte den Schlaf stören und dann am nächsten Morgen zu Heißhungerattacken führen.

Wenn Sie sich für die Möglichkeiten, Gewicht zu verlieren interessieren, erfahren Sie mehr in den Ratgebern Diät und Abnehmen.