Schimmelbildung "Jede dritte bis vierte Wohnung ist irgendwann einmal von Schimmel befallen"

Kaputte Rohre, ungenügendes Lüften, Bauschäden: Ob sich Schimmel in der Wohnung bildet, hängt von vielen Faktoren ab.

(Foto: picture alliance / dpa)

An diesem Mittwoch entscheidet der BGH, ob Schimmelgefahr eine Mietminderung bedeutet. Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt erklärt, wann Schimmel krank macht und was man dagegen tun kann.

Interview von Hanno Charisius

Schimmelbefall in Wohnungen ist in vielen Fällen ein Grund für Mietminderungen. An diesem Mittwoch entscheidet der Bundesgerichtshof, ob sogar bereits die Gefahr von Schimmelbildung eine Minderung der Miete rechtfertigt. Heinz-Jörn Moriske, Experte für Umwelthygiene am Umweltbundesamt, erklärt, warum zu viel Schimmel in der Wohnung ungesund ist und was man dagegen machen kann.

SZ: Herr Moriske, Schimmelsporen fliegen überall durch die Luft, gerade im Herbst, wenn man durch moderndes Laub läuft. Den meisten Menschen macht das nichts aus. Warum ist Schimmel in der Wohnung ein Problem?

Heinz-Jörn Moriske: In Grenzen ist Schimmel tolerierbar, zumindest für die meisten Menschen. Da kann die körpereigene Immunabwehr bestens gegensteuern. Besonders Anfällige aber sollten im Herbst nicht unbedingt ausgedehnte Waldspaziergänge machen. Ansonsten sind gesundheitliche Gefährdungen durch Schimmel draußen eher die Ausnahme.

Ab wann wird es kritisch?

Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Patienten mit anfälligen Atemwegen bekommen schneller Probleme. Allergiker leiden oft bei geringeren Mengen an Schimmelpilzsporen in der Atemluft als Menschen mit normal arbeitendem Immunsystem. Die gesundheitlichen Probleme reichen von tränenden Augen, verstopften Nasen und anschwellenden Schleimhäuten, können bei Allergikern aber heftiger ausfallen, bis hin zu Atemnot. Wenn Gesunde über Monate oder Jahre zu große Mengen einatmen, können auch sie irgendwann Probleme bekommen.

Aber nicht jeder wird krank, wenn er Schimmel in der Wohnung hat.

Nein, nicht jeder wird krank. Aber es muss auch niemand krank werden, damit Schimmel als Mangel in einer befallenen Wohnung anerkannt wird. Es reicht schon aus, dass die Schimmelkonzentration in der Wohnung deutlich erhöht ist gegenüber dem, was man außen vor der Wohnung findet und damit die Wohnung nicht mehr in einem gebrauchsüblichen Zustand ist.

Wann gilt eine Wohnung als befallen?

Wenn man etwa im Innenraum mehr als die doppelte oder dreifache Keimmenge findet als in der Umgebung, ist klar, dass es hier ein Problem gibt. Dann muss man die Ursache suchen und abstellen. Es gibt zwar keine flächendeckenden Erhebungen, aber Hinweise darauf, dass in Deutschland jede dritte bis vierte Wohnung irgendwann einmal von zu viel Feuchte und in der Folge von Schimmel befallen ist.

Gibt es verschiedene Schimmelarten?

Ja, und um die zu bestimmen, braucht es eine eigene Diagnostik. Die ist wichtig, wenn man ermitteln will, wie groß das Gesundheitsrisiko für die Bewohner tatsächlich ist, denn nicht nur die Zahl der Pilzsporen ist da ausschlaggebend, sondern auch die Art.

Welche sind besonders tückisch?

Zum Beispiel Aspergillus-Arten, die man auch vom Brotschimmel kennt. Die stellen starke Gifte her, die Aflatoxine, weswegen man schimmeliges Brot nicht essen darf. Aber auch wenn man diese Toxine einatmet, bereitet es dem Körper Probleme.

Heinz-Jörn Moriske ist derzeit Mitglied der Kommission Innenraumlufthygiene.

(Foto: privat)

Wann fängt Schimmel an zu sprießen?

Grundsätzlich fliegen immer und überall Pilzsporen herum. Ob sie sich vermehren können, hängt aber von den Bedingungen ab. Manche Schimmelpilze kann man sogar als Indikator für Gebäudeschäden betrachten. Schimmel wächst immer, wenn zu viel Feuchtigkeit in der Wohnung ist. Daneben spielen aber auch die Materialien, auf denen Schimmelpilze wachsen können, wie Holz oder Gips, eine Rolle. Über Biofilme aus Mikroben kann Schimmel aber auch auf Glas, Keramik oder Metall gedeihen.

Wie kommt die Feuchtigkeit in die Wohnung?

Die kann zum einen über das Gebäude in die Wohnung kommen, durch einen Rohrbruch, durch Hochwasser, durch undichte Wände oder Fundamente oder sich an schlecht gedämmten kalten Außenwänden niederschlagen. Aber auch der Mensch produziert reichlich Luftfeuchtigkeit durchs Atmen, Kochen, Duschen und Waschen. In einem Drei-Personen-Haushalt kann das bis zu einem Eimer voll Wasser sein, der als Wasserdampf in der Luft hängt.

Was ist das wirksamste Mittel gegen Schimmel?

Die Feuchtigkeit muss wieder raus. Den menschengemachten Wasserdampf bekommt man am besten durch etwa fünf bis zehn Minuten Lüften bei weit geöffnetem Fenster morgens und abends aus der Wohnung. In der Küche helfen Dunstabzüge mit Abluft direkt nach außen. Im Bad sollte man direkt nach dem Duschen lüften.

Was sollte man tun, wenn man zum Beispiel hinter einem Schrank Schimmel entdeckt?

Kleinere Stellen kann man mit einem alkoholgetränkten Tuch einfach selbst abwischen und den Lappen dann gleich entsorgen. Dann ist der aktive Schimmel erst mal abgetötet, aber die Ursache ist noch nicht behoben. Die sollte dann ein Bauschadensfachmann oder Baubiologe suchen.

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