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Russland:Der Wodka bringt sie um

Wodka

Übermäßiges Wodkatrinken bleibt in Russland eine Hauptursache für die hohen Todeszahlen unter jüngeren Männern.

(Foto: dpa)

Rauschtrinken und Rauchen kosten Lebensjahre: Russische Männer sterben 15 Jahre früher als Männer in den meisten europäischen Staaten.

Von Werner Bartens

Russen und Wodka - das gehört zusammen wie Briten und Tee, Franzosen und Rotwein oder Deutsche und Bier. Vorurteil und Folklore liegen dicht beieinander, dabei ist unbestritten, dass die Russen stark unter der Vorliebe für ihr Nationalgetränk leiden. Während in westlichen Ländern wie Großbritannien nur sieben Prozent der Männer unter 55 Jahren sterben, erreichen in Russland 37 Prozent der Männer dieses Alter nicht. Die Lebenserwartung für Männer liegt in Russland bei 64 Jahren und damit 15 Jahre unter der in den meisten Ländern Europas. Wie sehr der Wodka dazu beiträgt, dass die Russen nicht alt werden, haben Forscher aus Moskau und Oxford im Fachmagazin Lancet (online) vom heutigen Freitag nachgezeichnet.

Das Team um David Zaridze und Richard Peto hatte in drei russischen Großstädten mehr als 200 000 Erwachsene zu ihren Trink- und Rauchgewohnheiten befragt und einen Teil von ihnen Jahre später erneut interviewt. Dabei zeigte sich, dass von den Männern zwischen 35 und 54 Jahren, die rauchten und bis zu einer Halbliterflasche Wodka in der Woche tranken, in den kommenden 20 Jahren 16 Prozent sterben würden. Tranken sie bis zu drei Flaschen pro Woche, stieg das Risiko auf 20 Prozent an, bei mehr als drei Flaschen wöchentlich sogar auf 35 Prozent.

Betrunken in den Kapitalismus

Sehr deutlich wirkten sich die staatliche Regulierung des Alkoholkonsums und politische Umwälzungen auf die Sterblichkeit von Russlands Männern aus. Als 1985 unter Gorbatschow der Alkoholverkauf eingeschränkt wurde, ging die Sterblichkeit massiv zurück - um nach dem Kollaps der UdSSR 1991 Mitte der Neunziger Jahre auf den Höhepunkt zuzusteuern.

Seit von 2006 an Alkohol schwerer zugänglich wurde, starben weniger Männer in Russland, obwohl die Sterblichkeit im internationalen Verglich noch sehr hoch ist. "Diese Entwicklung zeigt, dass Gesundheitsrisiken durch Alkohol reversibel sind, sagt David Zaridze. "Wer in gefährlichem Maße Alkohol trinkt, verringert die Wahrscheinlichkeit früh zu sterben, aber in dem Augenblick, in dem er damit aufhört."

Für Suchtforscher Jürgen Rehm von der Universität Dresden erklärt das Ausmaß des konsumierten Alkohols allein nicht die vielen Todesfälle in Russland. "Es ist wohl die Kombination einer großen Menge Alkohol mit einem besonderen Trinkverhalten - und zwar dem regelmäßigen Komasaufen - die zu der hohen Sterblichkeit führt", sagt Rehm. "Wirksamere Gesetze gegen Tabak und Alkohol wären dringend notwendig."

© SZ vom 31.01.2014/beu

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