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Rückenprobleme:Sex ohne Schmerzen

Welche Stellung ist die beste, wenn der Rücken schmerzt und Sex zur Qual wird? Bewegungsforscher haben Probanden beim Akt vermessen und einen Katalog mit empfehlenswerten Positionen erstellt. Dabei nutzten sie interessante Techniken.

Von Alexander Stirn

Eine Nacht Spaß, unzählige Tage Schmerzen. Für Männer mit Rückenbeschwerden kann Geschlechtsverkehr zu einer qualvollen Angelegenheit werden. Viele Patienten verzichten sogar komplett darauf oder beschränken sich - nach Rücksprache mit ihrem Arzt - auf eine bestimmte Stellung, sagt Stuart McGill, Biomechaniker an der University of Waterloo im kanadischen Ontario. "Bislang konnten sich Mediziner bei ihren Empfehlungen allerdings nicht auf harte Wissenschaft stützen", so McGill.

Um das zu ändern, hat der Bewegungsforscher gemeinsam mit seiner Kollegin Natalie Sidorkewicz zehn Paare beim Sex beobachtet, gefilmt und ihre Haltung vermessen. Herausgekommen ist ein Empfehlungskatalog für Männer mit Rückenschmerzen, den die Forscher nun im Fachblatt Spine (online) veröffentlicht haben.

Bislang hätten Ärzte meist eine Stellung für alle Fälle empfohlen, sagt Sidorkewicz - in der Regel die sogenannte Löffelchenstellung, bei der beide Partner auf der Seite liegen. "Das ist allerdings nicht die ultimative Antwort, wie wir herausgefunden haben", sagt Sidorkewicz. "Eine Sex-Position, die sich für ein bestimmtes Rückenleiden eignet, muss nicht auch bei allen anderen Arten von Schmerzen passen."

Patienten, die Probleme beim Beugen des Rückens hätten und daher nicht für längere Zeit sitzen könnten, empfehlen die Forscher beispielsweise die Hündchenstellung, bei der sich der Mann hinter seiner Partnerin befindet. Zudem sollte in solchen Fällen die Stoßbewegung während des Geschlechtsverkehrs aus der Hüfte und nicht aus der Wirbelsäule kommen.

Erstmals die "Mechanik des männlichen Orgasmus" entschlüsselt?

Um diese Erkenntnisse zu gewinnen, ließen die kanadischen Bewegungswissenschaftler ihre Probandenpaare insgesamt drei Stellungen mit fünf Variationen durchspielen. An ausgewählten Stellen der Körper waren dabei Punkte angebracht, die von Kameras erfasst und im Computer in Bewegungsabläufe umgewandelt wurden - ein Verfahren, das auch bei der Produktion von Videospielen oder Trickfilmen genutzt wird.

Am Ende standen Modelle, die die Bewegung der Wirbelsäule bei unterschiedlichen Stellungen dokumentieren. "Zum ersten Mal haben wir nun sehr solide wissenschaftliche Daten, auf die Ärzte zurückgreifen können, wenn ihre Patienten trotz lähmender Rückenschmerzen intim werden wollen", sagt Sidorkewicz laut Pressemitteilung. "Das kann die Qualität des Lebens - und des Sexuallebens - für viele Paare verbessern."

Die Forscher haben es allerdings nicht bei der Analyse von Stellungen belassen. Nach eigenen Angaben enthüllt ihre Studie auch erstmals die "Mechanik des männlichen Orgasmus". Viele Patienten mit Rückenbeschwerden litten unter besonders starken Schmerzen just im Moment des Höhepunktes, sagt Stuart McGill. "Oft führt das sogar dazu, dass die Männer versuchen, beim Sex mit ihren Partnerinnen den Orgasmus zu vermeiden."

Den männlichen Probanden der kanadischen Studie war das nicht erlaubt. Ihre Muskeln wurden vielmehr verkabelt und mit Elektroden versehen, um Anspannungen während des Höhepunkts zu erkennen. Am aktivsten waren demnach die Bauch- und Gesäßmuskeln, nicht so sehr die Rückenmuskulatur. Die Bewegung der Wirbelsäule fiel hingegen stark unterschiedlich aus. Bei manchen Probanden veränderte sie sich während des Orgasmus kaum, bei anderen wurde sie, wie die Biomechaniker schreiben, "drastisch" gekrümmt oder verlängert.

Die Ergebnisse ihrer Probandinnen wollen die Forscher in den kommenden Monaten vorstellen. Dann sollen auch neue Experimente starten - dieses Mal für Patienten mit Hüftleiden.

© SZ vom 11.09.2014/lala
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