Risiko von Gefäßschäden:Migräne-Patienten müssen keine Demenz fürchten

Als ob die Schmerzen nicht schon schlimm genug wären: Migräne-Patienten wurden in der Vergangenheit von Studien aufgeschreckt, wonach die Schmerzattacken das Risiko für eine spätere Demenz erhöhen. Nun geben Wissenschaftler eine vorsichtige Entwarnung.

Katrin Blawat

Haben Migräne-Patientinnen im Alter ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken? Einige frühere Studien legen dies zumindest nahe. Doch nun geben Mediziner um Tobias Kurth von der Harvard Medical School Entwarnung. Ihrer Untersuchung zufolge führen Migräne-Attacken nicht dazu, dass sich das Risiko für eine Demenz erhöht oder andere Bereiche der Hirnleistung im Alter schneller nachlassen (British Medical Journal, online).

Die Forscher stützen ihre Aussage auf die Daten von 6349 Frauen, die 65 Jahre oder älter waren und bereits in eine Langzeitstudie zu einer anderen Fragestellung eingeschlossen waren. Von ihnen litten 853 irgendwann in ihrem Leben unter Migräne. 195 der Probandinnen berichteten von einer besonders starken Form, der sogenannten Aura. Dabei leiden Betroffene unter Übelkeit und Sehstörungen.

Mithilfe von telefonischen Interviews und Gedächtnistests überprüften die Forscher die kognitiven Leistungen der Frauen zweimal im Abstand von zwei Jahren. Insgesamt ermittelten die Forscher nur in einem sehr geringen Ausmaß einen Verlust kognitiver Fähigkeiten bei den Probanden und den Kontrollpersonen. Auffällig aber war, dass sich keine bedeutenden Unterschiede zwischen den Gruppen zeigten. Sogar Patientinnen mit Aura-Migräne schnitten nicht schlechter ab als die Kontrollpersonen.

Die Ergebnisse dieser großen Studie liefern keinen Beleg dafür, dass Migräne mit einem erhöhten Verlust der kognitiven Fähigkeiten einhergeht", schlussfolgern die Autoren. Auf einen möglichen Kritikpunkt weisen sie allerdings selbst hin: Vielleicht war der Untersuchungszeitraum von zwei Jahren zu kurz gewählt, um auch sehr kleine Verschlechterungen der Gedächtnisfunktionen festzustellen. Diese minimalen Veränderungen könnten sich über mehrere Jahre zu deutlichen Störungen auswachsen.

Früheren Studien zufolge erleiden Migräne-Patienten häufiger als Kontrollpersonen einen Hirnschlag und kleine Hirninfarkte. Letztere können zwar zunächst unerkannt bleiben, aber dennoch, wie auch ein Hirnschlag, die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen. Dies wirkt sich auch auf die kognitiven Fähigkeiten aus. Zudem treten die Gefäßschäden, wie auch Migräne, bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Auch aus diesem Grund haben einige Forscher einen Zusammenhang zwischen den Leiden vermutet. Die Autoren der aktuellen Studie argumentieren jedoch, dass sich frühere Untersuchungen meist auf vergleichsweise wenige Probanden beschränkt hätten.

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