Probleme mit Drogen-Schnelltests Wie Süchtige die Tests austricksen

All dies ist nur die eine Seite des Problems: Während unbescholtene Bürger perplex vor einem positiven Drogenbefund stehen können, versuchen Drogensüchtige längst die Schwachstellen der Schnelltests auszunutzen. "Solange keine offenkundigen Anzeichen dagegen sprechen, wird ein negativer Test nicht mehr infrage gestellt", sagt Maurer.

Urin vom kleinen Bruder - oder aus dem Internet

Drogenkonsumenten versuchen zum einen von der Tatsache zu profitieren, dass ihnen bei der Urinabgabe eine gewisse Intimsphäre zugestanden wird. Am weitesten verbreitet ist dabei der Versuch, Fremdurin in den Probenbecher zu schmuggeln. Im Internet werden mehr oder weniger gut getarnte Behältnisse angeboten, die am Körper befestigt, die fremde Flüssigkeit unauffällig abgeben sollen. Mitgeliefert wird mitunter ein kleines Heizgerät, das die Probe auf eine realistische Temperatur bringt.

Der Fachliteratur kann man entnehmen, dass sauberer Harn heute nicht mehr nur vom kleinen Bruder, sondern zunehmend aus dem Internethandel stammt. Dort ist er gefriergetrocknet erhältlich; er muss in Wasser aufgelöst und erwärmt werden.

Andere Süchtige experimentieren mit harntreibenden Mitteln, die die Urinprobe verdünnen und die Drogenspuren unter die kritische Grenze drücken sollen. Diese Methode nutzt aus, dass die Nachweisgrenzen zum Teil recht hoch liegen, um falsch-positive Ergebnisse durch Medikamente oder Lebensmittel zu minimieren. Den Diuretika werden mitunter Vitamine zugesetzt, die dem stark verwässerten Urin seine ursprüngliche Farbe zurückgeben sollen. Letztlich lassen sich die Schnelltests auch durch eine Reihe von Chemikalien wie Seife oder Säuren manipulieren.

Experten zufolge schlagen viele dieser Versuche jedoch auf groteske Weise fehl: Urin-Behältnisse laufen vorzeitig aus oder im Becher landet leuchtend oranger, schäumender oder abnormal heißer Urin. Und selbst weniger dilettantischen Betrugsversuchen ist oft kein Erfolg beschieden: "Viele der Manipulationsversuche können aufgedeckt werden", sagt Maurer: "Es gibt genaue Testvorschriften dafür."

Ohnehin dürfte kompliziertes Mixen oder Köcheln von Urinproben unter deutschen Drogensüchtigen selten sein. Die Berliner Polizei zumindest hat keine Hinweise auf derart ausgefallene Praktiken. Dennoch treibt auch sie die Tatsache um, dass die Drogenszene weit erfindungsreicher ist als die Test-Branche: Für mehrere neue Drogen existiert bislang keinerlei Nachweismöglichkeit.