Probleme mit Drogen-Schnelltests Was bedeutet das für den Normalbürger?

Falscher Verdacht kann aufkommen, wenn die Getesteten zuvor Medikamente eingenommen haben. Mehr als 30 verschiedene Arzneistoffe können Tests verfälschen, darunter weitverbreitete Mittel wie Hustensäfte, Antibiotika und das Schmerzmittel Ibuprofen. Auch ein üppiges Mahl kann falsch-positive Drogentests verursachen. Eine kräftige Mohnschnitte löst unter Umständen Opiat-Alarm aus. Die Fachliteratur kennt Fallberichte, wonach Menschen nach dem Genuss einiger Gläser chininhaltigen Tonic-Wassers zu Unrecht für Drogenkonsumenten gehalten wurden.

Dagegen scheinen Liebhaber von Hanftee auf der sicheren Seite zu sein. Cannabis-Spuren im Urin bleiben in der Regel unter den Grenzwerten, die für einen Drogenkonsum sprechen. Ähnliches gilt für das Cannabis-Passivrauchen. Selbst nach drei Stunden im niederländischen Coffee-Shop hatten Versuchspersonen keine kritischen Urinwerte erreicht.

Was bedeutet dies nun für den Normalbürger? Muss jeder, der bei Großmutters Mohnkuchen kräftig zulangt oder sein Kopfweh mit einer Tablette bekämpft, damit rechnen, in einer Drogenkontrolle für einen Junkie gehalten zu werden?

Am ehesten kommt der Durchschnittsdeutsche bei einer Verkehrskontrolle in die Verlegenheit, eine Urinprobe abgeben zu müssen. "Nahezu jedes Streifenfahrzeug hat auch Drogen-Schnelltests an Bord", sagt der Berliner Polizeihauptkommissar Stefan Drescher. 20.000 solcher Einmal-Tests bestellt die Polizei pro Jahr für das Stadtgebiet. Wer zur Urinabgabe in die nächstgelegene Toilette, im Notfall auch in den Straßengraben gebeten wird, liegt im Ermessen der Polizisten. "In der Regel werden die Fahrer getestet, die durch Fahrunsicherheit auffallen oder drogentypische Auffälligkeiten zeigen, etwa rote Bindehaut am Auge, weite Pupillen oder mangelnde Konzentration."

Ist der Schnelltest positiv, hat der Fahrer noch keine rechtlichen Folgen, wohl aber Unannehmlichkeiten zu befürchten. In vielen Fällen wird er aufs Polizeirevier gebracht, um eine Blutprobe abzuliefern. Anschließend darf er nach Hause - allerdings ohne Auto. Die Blutprobe wird derweil mit dem zuverlässigen Gaschromatografen untersucht. Erst wenn dessen Ergebnis positiv ist, drohen rechtliche Konsequenzen.

Laxer wird der Drogennachweis mitunter im klinischen Bereich gehandhabt. Drogentests dienen beispielsweise dazu, um einen Verdacht auf eine Vergiftung zu bestätigen oder Therapien von Drogensüchtigen zu überwachen. Nicht in allen Situationen ist genügend Zeit oder Geld vorhanden, um einen Schnelltest-Befund zu verifizieren. "Im schlimmsten Fall kann dies bedeuten, dass Patienten zu Unrecht aus der Drogenentzugstherapie ausgeschlossen werden oder wegen einer vermeintlichen nachgewiesenen Vergiftung eine falsche oder unnötige Behandlung bekommen", sagt Hans Maurer, Leiter der Abteilung für klinische Toxikologie an der Universität des Saarlandes.