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Schmerzmittel:Aspirin zur Krebsprävention

Amerikanische Experten wollen Aspirin empfehlen - als Vorbeugestrategie gegen Darmkrebs. Doch wahrscheinlich profitieren nicht alle Patienten. Für manche wäre eine Änderung des Lebensstils hilfreicher.

Für Menschen mit robustem Magen und einer Neigung zu leichtem Kopfweh sind die Vereinigten Staaten schon lange ein Paradies: Tabletten mit dem Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure, kurz ASS, gibt es dort für wenige Dollar in jedem Supermarkt zu kaufen - und zwar in Flaschen zu 500 oder 1000 Stück. Der Verbraucher schüttelt sich das Schmerzmittel vitaminpillengleich in die Hand. Und das sollte er in Zukunft noch viel häufiger tun, wenn es nach der United States Preventive Services Task Force (USPSTF) geht.

Das unabhängige Panel des amerikanischen Gesundheitsministeriums hat auf seiner Homepage einen Entwurf veröffentlicht. Es empfiehlt, Aspirin nicht nur prophylaktisch gegen Herzinfarkte zu schlucken. Die Bevölkerung soll durch die regelmäßige Einnahme vom 50. Lebensjahr an künftig auch Darmkrebs vorbeugen.

Die US-Experten wollen damit die zwei häufigsten Todesursachen in ihrem Land bekämpfen und folgen einer bereits im Januar publizierten Übersichtsarbeit britischer Mediziner, die der Aspirin-Prophylaxe einen deutlich größeren Nutzen im Vergleich zum Schaden nachsagt.

Demnach verursacht eine Dauereinnahme von niedrig dosiertem ASS zwar teil schwere Nebenwirkungen, wie Magen- und Hirnblutungen, die sogar zum Tode führen können. Noch vor zehn Jahren waren diese Effekte als schwerwiegend genug eingeschätzt worden, um eine generelle Prophylaxe bei Patienten mit erhöhtem Infarkt- oder Krebsrisiko abzulehnen. Das soll nun nicht mehr gelten: Laut USPSTF senkt Aspirin bei Männern das Infarktrisiko, bei Frauen das Risiko eines Schlaganfalls - und bei beiden Geschlechtern die Gefahr, an Darmkrebs zu erkranken, um mehrere Prozent.

Ob das wirklich für alle Patienten gilt, ist allerdings zweifelhaft: Im März hatten Wissenschaftler gezeigt, dass die Genetik eine Rolle spielt. So sollen nur Menschen profitieren, die über zwei spezielle Gencodes verfügen. Davon unabhängig kritisieren Präventionsforscher auch die Art der Prophylaxe: Lebensstiländerungen haben demnach ähnliche Effekte wie Pillen.

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