Plötzlicher Kindstod Lustkiller Baby?

Dass Babys im Bett für die sexuelle Flaute nach der Geburt verantwortlich sind, konnte bisher in keiner empirischen Studie belegt werden. Hier spielen wohl eher Geburtserlebnisse und der veränderte Körper der Frau eine Rolle. Vielmehr könnte es die Vater-Kind-Beziehung stärken, wenn der Vater neben der Mutter und diese neben dem Baby schläft. Eine Studie aus dem Jahr 2012 hat ergeben, dass durch Bedsharing der Testosteron-Gehalt im väterlichen Blut abnimmt. Niedrige Pegel sind wichtig für eine fürsorgliche Vaterschaft.

Ebenso wenig bewiesen ist es, dass Kinder, die in den ersten Lebensmonaten nicht ins eigene Bett verwiesen werden, später verzogene Muttersöhnchen sind. Vermutlich stärkt das gemeinsame Nächtigen, wie es in fast allen nichtwestlichen Kulturen üblich ist, auch die Bindung zwischen Eltern und Kind. Unsinnig ist es aber, wenn einige Co-Bedding-Befürworter behaupten, dass eine sichere Bindung überhaupt nur möglich ist, wenn das Baby stets bei der Mutter nächtigen darf. Schließlich braucht es für die Ausbildung der Bindung feinfühlige und verlässliche Erfahrungen in allen Bereichen des Lebens, sei es in der Ernährung, der täglichen Hygiene oder durch häufiges Am-Körper-Tragen.

"Die emotionale Sicherheit ist nicht unbedingt an das Schlafarrangement gebunden", so Renz-Polster. Umgekehrt heißt das aber auch: "Eltern können das Allein-Schlafen nicht erzwingen - dabei würde die Bindungssicherheit über Gebühr strapaziert", sagt der Kinderarzt mit Blick auf die häufig angewandten rigiden Schlaflernprogramme. Schließlich fühlen sich Säuglinge unsicher und gestresst, wenn sie allein schlafen müssen - ein evolutionsbiologisches Erbe.

Aus der wissenschaftlichen Literatur lässt sich nicht eindeutig beantworten, welche anfängliche Nachtlager-Situation am günstigsten für das Schlafverhalten in den späteren Kinderjahren ist. "In der Praxis ist es so, dass sich co-schlafende Kleinkinder irgendwann gern einen eigenen Schlafplatz aufbauen", sagt Renz-Polster. "Es hat aber noch kein Kind seine Freundin oder seinen Freund ins Elternbett geschleppt." Andererseits gibt es unter den Allein-Schläfern häufig im dritten oder vierten Lebensjahr sekundäre Co-Sleeper, also Kinder, die dann erst zu den Eltern ins Bett wollen, was diese aber meist ablehnen.

Wie das Familienbett sicherer wird

Hebammen-Verbände, Stillgruppen und die Weltgesundheitsorganisation befürworten aufgrund der positiven Aspekte das gemeinsame Schlafen - allerdings nur, wenn das Co-Bedding sicher gestaltet wird. Dieser Ansicht ist auch Megan Moreno von der AAP, die in einem praxisnahen Beitrag in JAMA Pediatrics entsprechende Tipps gibt: Das Bett sollte groß sein, und darin sollten sich wenige Kissen, keine Stofftiere und keine überschüssigen Decken befinden. Co-Schlafen dürfe man zudem nicht auf dem Sofa oder im Wasserbett, und die Schlafpartner sollen nicht unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder extremem Schlafmangel stehen. Rauchen ist ebenso zu vermeiden wie ein stickiges Raumklima, die empfohlene Temperatur liegt bei 16 bis 18 Grad.

Als ideale Lösung sehen Kinderärzte Beistellbetten an, die direkt an das Elternbett angebracht werden können und trotzdem die Nähe zur Mutter gewährleisten. Solche gibt es zunehmend auch auf Neugeborenen-Stationen. Von einem separaten Zimmer für den Säugling raten hingegen alle Experten ab: "Im Kinderzimmer schlafen Babys tiefer", sagt Volker Soditt. Der tiefere Schlaf könnte bewirken, dass das Kind nicht aufwacht, wenn zum Beispiel seine Zunge nach hinten fällt - womöglich ein auslösender Faktor für SIDS.

Eine niederländische Studie hat im Mai aufgedeckt, dass der Schlaf im Elternzimmer auch gut für die Psyche sein könnte: Verglichen mit Altersgenossen, die von Anfang an in ihrem eigenen Zimmer schliefen, war das Stresssystem bei Einjährigen ausgeglichener, das heißt, ihr Cortisol-Pegel im Blut niedriger, wenn sie die ersten Monate im elterlichen Gemach schlafen durften. Der Theorie nach beugt ein niedriger Cortisol-Wert späteren psychischen Leiden vor.

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