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Pharmaindustrie:Wucher in der Gentherapie gegen Krebs

Die neue Therapie wurde in dieser Woche von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen.

(Foto: AP)

Die Erwartungen an die neuartige Krebstherapie von Novartis sind riesig. Noch gigantischer ist ihr Preis: 475 000 Dollar. Er ist absurd.

Wenn man sich die Preise neuer Therapien anschaut, kommt man sich oft vor wie auf dem Transfermarkt im Fußball. Immer astronomischer werden die Summen. So war es vergangene Woche, als Kymriah von Novartis für die Behandlung von Blutkrebs bei Kindern in den USA zugelassen wurde. Über Wochen hatten Experten gerätselt, was die Gentherapie wohl kosten würde. Jetzt steht fest: Kymriah ist nicht der Neymar des Arzneimittelmarktes, aber ein Ronaldo allemal: 475 000 Dollar kostet eine Behandlung. Das ist sehr viel Geld.

Wobei es hier aber eben nicht um Fußball geht, sondern ums Überleben von Kindern. Da sollte nicht das Geld entscheiden. Die teure Therapie ist zudem ein Nischenprodukt, in den USA kommen rund 750 Menschen im Jahr für die Behandlung infrage. Für eine so kleine Gruppe von Patienten eine neuartige Therapie zu entwickeln ist kostspielig und riskant, auch das steckt im Preis. Und schließlich kosten andere Therapien auch Geld. Gerade, wenn Krebspatienten über Jahre behandelt werden müssen. Die Patienten von Kymriah erhalten nur eine Dosis und besiegen ihren Krebs mit großer Wahrscheinlichkeit.

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Das alles ist wahr. Wahr ist aber auch, dass das Preisschild völlig kontextfrei am Infusionsbeutel baumelt. In den Worten der US-Gesundheitsexperten Peter Bach und Anna Kaltenboeck: Mit gesundem Menschenverstand lässt sich schwer ermitteln, ob der Preis nun um das Fünffache zu hoch oder doch um die Hälfte zu niedrig ist. Dafür bedarf es einer unabhängigen Analyse - die erst für kommenden März angekündigt ist, und für die Preisgestaltung der Pharmahersteller nicht bindend ist.

Es wirkt daher wie eine vertrauensbildende Maßnahme, wenn Novartis für sein teures Kymriah eine Art Geld-zurück-Garantie anbietet: Schlägt die Therapie nach vier Wochen nicht an, wird nichts berechnet. Was tatsächlich klingt, als bedeute die horrende Summe, so sie fällig wird, Überleben. Und das wäre es doch wert. Aber gerade diese Strategie, "outcome-based contract" genannt, bietet Schlupflöcher für die Pharmafirmen. Zuerst die Wahl des Endpunktes, hier die Ansprechquote nach vier Wochen. Während der Krebs nach sechs Monaten nur noch bei drei von sechs Patienten auf dem Rückzug ist, sprechen nach den ersten vier Wochen noch mehr als 80 Prozent auf die Behandlung an. Der Verlust ist also kalkulierbar. Und er lässt sich ausgleichen indem die Hersteller den Preis gleich zu Beginn in absurde Höhen Schrauben. Das ist kein Entgegenkommen, sondern Wucher. Im Fußball kann man den vielleicht noch akzeptieren. Wenn Leben auf dem Spiel stehen, aber sicher nicht.

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