Altenpflege:Deutsche möchten vom Roboter gepflegt werden

Lesezeit: 2 min

Baby-Roboter-Robbe Paro

Roboterrobbe "Paro" kommt bereits in Altenheimen zum Einsatz

(Foto: Uli Deck/dpa)

Überraschend viele Deutsche können sich vorstellen, im Alter von einer Maschine herumgetragen zu werden.

Von Kim Björn Becker

Der Vorgang dauert kaum länger als eine halbe Minute: Der Roboter kommt angesurrt, schiebt seine gepolsterten Arme vorsichtig unter die liegende Person, hebt sie an, dreht sich kurz nach rechts und lässt sie in den bereitgestellten Rollstuhl sinken. Für menschliche Pflegekräfte ist diese Prozedur jedes Mal kräftezehrend, nach einigen Jahren im Job klagen viele über Rückenschmerzen. In Zukunft, so sieht es zumindest die Industrie, könnten Pfleger ihre Gesundheit schonen und würden schwere Arbeiten einfach an den Stationsroboter delegieren. In Japan werden die Geräte schon seit einiger Zeit in der Pflege eingesetzt, die bisherigen Erfahrungen sind vielversprechend.

Dabei stehen die Deutschen der Einführung von Pflegerobotern überraschend positiv gegenüber: Jeder Vierte kann sich vorstellen, einmal von einem Roboter gepflegt zu werden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Bundesforschungsministeriums, die an diesem Montag in Berlin vorgestellt wurde. Je jünger die Befragten waren, desto eher können sie sich mit dem Gedanken anfreunden: Jeder dritte Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren hätte nichts dagegen, in ferner Zukunft von einer Maschine aus dem Bett in den Rollstuhl gehievt zu werden. Bei den Über-70-Jährigen ist jeder Fünfte der Vorstellung nicht abgeneigt.

"Kein Ersatz für echte Zuwendung"

Überhaupt, so ließen sich die Ergebnisse der Untersuchung zusammenfassen, sind die Deutschen immer dann bei der Sache, wenn sie den unmittelbaren Nutzen einer technischen Innovation erkennen: Mehr als die Hälfte aller Befragten halten es zum Beispiel für denkbar, sich Implantate ins Gehirn einpflanzen zu lassen, welche die geistigen Fähigkeiten verbessern. 43 Prozent können sich vorstellen, online auf ihre Gesundheitsdaten zuzugreifen. Und weitere 42 Prozent sehen ein großes Potenzial bei der Entwicklung intelligenter Kleidung, die relevante Körperdaten aufzeichnet.

Angesichts des drohenden Fachkräftemangels in der Pflege könnten Roboter eine praktikable Lösung des Problems darstellen - zumindest dann, wenn sich in Zukunft noch mehr Menschen für die Anwesenheit von Maschinen in Altenheimen erwärmen. Ob das passiert, ist zur Zeit fraglich. Als vor einigen Jahren die japanische Roboter-Robbe "Paro" vorgestellt wurde, mit der Demenzkranke Ansprache finden sollten, hagelte es in Deutschland Kritik. Als "gefühllos" bezeichnete etwa der Direktor des Forschungsinstituts für Philosophie in Hannover, Jürgen Manemann, seinerzeit die Entwicklung. Roboter seien "kein Ersatz für echte Zuwendung".

In einer gemeinsamen Studie gehen das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifor und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC davon aus, dass bis zum Jahr 2030 etwa 400 000 Pflegekräfte in Kliniken und Heimen fehlen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) warnte an diesem Montag in Düsseldorf vor einem bevorstehenden Mangel an Fachkräften. Es gelte, Pflegeberufe attraktiver zu machen und die Arbeitskräfte länger in diesem Berufsfeld zu halten. Dafür sei es erforderlich, die Gesundheitsvorsorge für die Pflegekräfte zu verbessern.

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