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Organtransplantation:Untersuchung zu Lungenspenden in Wien

Röntgenbild Lunge

Röntgen-Aufnahme einer Lunge

(Foto: Silas Stein/dpa)
  • Laut einem Untersuchungsbericht ist die Vergabe von Spenderlungen am Allgemeinen Krankenhaus Wien rechtmäßig verlaufen.
  • Mediziner hatten Vorwürfe gegen den langjährigen Leiter des Programms erhoben.
  • Während die Stiftung Eurotransplant Regelverstöße beklagt, sieht eine externe Untersuchungskommission nun keine Hinweise auf systematische Fehler.

Zum Lungentransplantationsprogramm am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH) hat eine externe Expertenkommission ihren Untersuchungsbericht vorgelegt. Die Kommission kommt darin zu dem Schluss, dass die Vergabe von Spenderlungen an ausländische Patienten in Wien rechtmäßig verlaufen sei, teilten das AKH, die Medizinische Universität Wien, zu der das AKH gehört, und der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) am Montag in einer Stellungnahme mit. Der Bericht ist nicht öffentlich einsehbar, er sei lediglich den Aufsichtsorganen der Medizinischen Universität und des KAV zur Kenntnis gebracht worden, hieß es. Auch die Namen der Mitglieder der Expertenkommission wurden nicht kommuniziert.

Im Oktober 2019 hatten Mediziner Vorwürfe gegen den langjährigen Leiter des Wiener Lungentransplantationsprogramms, Walter Klepetko, erhoben. Dieser habe über Jahre hinweg Spenderlungen an Patienten aus dem Ausland entgegen den Regeln des Eurotransplantverbundes vergeben. Zudem hatte Anfang Oktober eine griechische Patientin nach nur vier Stunden auf der Warteliste eine Spenderlunge aus Griechenland erhalten. Die Umstände dieser Transplantation seien alles andere als regelkonform gewesen, erklärt die Stiftung Eurotransplant, in der neben Deutschland und Österreich sechs weitere europäische Länder (aber nicht Griechenland) zusammengeschlossen sind, um Spenderorgane gerecht und unter Einhaltung präziser Vorgaben an bedürftige Patienten zu verteilen.

"Keine Manipulationen oder Benachteiligung"

Klepetko hatte die Operation der griechischen Patientin mit der Begründung verteidigt, die Spenderlunge sei ebenso wie die Patientin aus Griechenland gekommen. Eigentlich hätte die Patientin die Lunge in Athen erhalten sollen, doch weil die Operation so komplex gewesen sei, hätten die griechischen Ärzte das Organ an Eurotransplant gemeldet und Wien um Hilfe gebeten. Auch hatte Klepetko stets bestritten, zum Nachteil der Patienten aus dem Eurotransplantverbund gehandelt zu haben. Er habe vielmehr einen positiven Beitrag zur Organspende in diesen Ländern geleistet, wovon letztlich auch die Patienten im Eurotransplantraum profitiert hätten.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatten die Medizinische Universität Wien und das AKH eine externe, mit nicht namentlich genannten Experten besetzte Kommission einberufen, um "die Aktivitäten des Lungentransplantationsteams einem umfassenden Audit" zu unterziehen. Dem nun vorgelegten Kommissionsbericht zufolge haben die Auditoren laut AKH, Medizinischer Universität und KAV keine Hinweise auf systematische Fehler gefunden. Es gebe "keine Manipulationen oder Benachteiligung österreichischer PatientInnen". Allerdings seien die Erhebung von Befunden und die Dokumentation zu verbessern - auch wenn die "Größenordnung der nicht vollständig ordnungsgemäßen Fälle" nicht auffällig hoch gewesen sei.

© SZ.de/cvei
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