bedeckt München

Organstransplantation:DSO-Vorstand Kirste widerspricht

DSO-Vorstand Kirste ließ am Donnerstag auf Anfrage über seine Anwälte mitteilen, die Angaben in seiner eidesstattlichen Versicherung seien richtig. Dass alle vier Untersuchungen stattgefunden haben, werde durch die Aussage eines Mitarbeiters, alle vier Protokolle gesehen zu haben, bestätigt.

Irritierend wirkt indes, dass der DSO-Vorstand in der eidesstattlichen Versicherung explizit einen Totenschein im Zusammenhang mit der Organentnahme erwähnt: "Es lag sogar ein Totenschein vor, so dass der Tod des Spenders zweifelsfrei feststand und auch alle Voraussetzungen für eine Organentnahme vorlagen", versicherte er.

Die Überwachungskommission betont hingegen, dass "die amtliche Todesbescheinigung die Hirntodprotokollierung nicht ohne weiteres ersetzen und nicht für sich allein eine Organentnahme zulässig machen" kann. Noch dazu ist der Totenschein in dem Düsseldorfer Fall fragwürdig. Denn die Ärztin, die ihn ausstellte, berief sich dabei einerseits auf die Feststellung des Hirntods durch andere. Andererseits will sie den Totenschein "nach eigenen Feststellungen" ausgestellt haben. Beides ist schwerlich miteinander vereinbar.

"Es gibt meines Wissens keine ausdrückliche Regelung, dass bei der Entnahme beide bzw. alle vier Protokolle vorliegen müssen", versicherte Kirste an Eides statt. Und auch seine Anwälte argumentieren nun: Diese müssten lediglich "angefertigt worden sein", aber laut Gesetz nicht "bei der Entnahme vorliegen".

Immerhin: Trotz der rechtlichen Unstimmigkeiten scheint es medizinisch gesehen am Hirntod des Organspenders von Düsseldorf keine Zweifel zu geben. Der Spender habe, wie sich der Untersuchungskommission zufolge bei der Leichenschau herausstellte, eine so massive Hirnblutung gehabt, "dass das Gehirn zur Zeit der Organ-Entnahme abgestorben war und dass er demnach tot gewesen ist."

© SZ vom 16.11.2012/mcs
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema