Organspenden Kurz vor dem Abflug stiegen die Kosten auf 400 000 Euro

Am Wochenende kam es zu dem Herzstillstand. Dr. Y. entschuldigte sich später, die Mail mit dem errechneten Budget vergessen zu haben. Jetzt seien es 350 000 Euro geworden, der Junge könne aber wegen des Notfalls schon am Sonntag kommen, das Geld könne Montag angewiesen werden. Kurz vor dem Abflug wurde mitgeteilt, dass es nun 400 000 Euro seien - was durch eine persönliche Spende der Sängerin Gülben Ergen auch noch möglich wurde. Wie es zu den steigenden Vorauszahlungsforderungen kam, erklärte weder Dr. Y. noch das Uniklinikum auf Anfrage.

Bei Muhammets Ankunft in der Nacht des 31. März war seine Herz-Kreislauf-Situation weiterhin instabil. Die Ärzte schlossen ihn an ein Kunstherz an, um seinen Tod zu verhindern. Später teilten die Ärzte den Eltern mit, Muhammet werde taub und gelähmt bleiben. Er sei für immer auf ein Beatmungsgerät angewiesen. Drei Wochen nach der Ankunft in Deutschland empfahlen die Ärzte schließlich, die Behandlung zu beenden und das Beatmungsgerät auszuschalten. Die Eltern waren dagegen.

Ärzte weigern sich weiterhin

Seit einiger Zeit kann Muhammet nun wieder selbständig atmen. Kurze Zeit später hat er angefangen, sich zu seinen Eltern zu drehen und sie anzulächeln. Er konnte wieder sehen, das rechte Bein und den rechten Arm heben und Joghurt essen. Doch die Ärzte weigern sich weiterhin, den Jungen für die Transplantation vorzusehen.

"In mehrfach durchgeführten Transplantationskonferenzen wurde der irreversible Hirnschaden einstimmig als Kontraindikation (Gegenanzeige) für eine Herztransplantation beurteilt und dokumentiert", teilte das Klinikum auf Anfrage mit. Wegen der Schädigung eines anderen als des zu ersetzenden Organs dürfe er nicht mehr auf die Warteliste.

Diese Interpretation teilen nicht alle Fachleute: "Eine Organschädigung kann, muss aber nicht der Listung entgegenstehen", sagt der Jurist Hans Lilie von der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer (BÄK). Das sei eine Einzelfallentscheidung. Im konkreten Fall halte er diese aber für richtig. Das Klinikum habe sich auch mit der für Herztransplantationen zuständigen Kommission bei der BÄK abgesprochen.

"Wir müssen konsequent sein"

Auch der Leiter der Ethikkommission der Deutschen Transplantationsgesellschaft, Richard Viebahn, betont: "So traurig es im Einzelfall ist: Wir müssen konsequent sein." Es sei richtig, dass Chirurgen in den vergangenen zwei Jahren von der Philosophie "Transplantation um jeden Preis" abgerückt seien. "Man muss immer bedenken: Organe sind extrem selten. Wenn Muhammet dieses Herz bekommt, wird ein anderes Kind keines bekommen."

Wer aber auf die Warteliste kommt, das bleibt bis heute vor allem den Ärzten überlassen, ohne dass Patienten einen rechtlichen Spielraum hätten, kritisieren Patientenschützer. Behinderung dürfe kein Kriterium sein, meint Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, und fordert vom Gesetzgeber endlich feste und einheitliche Regeln.

Muhammets Geld ist mittlerweile jedenfalls aufgebraucht. Seit auf Facebook und Twitter ein Sturm der Empörung tobt, hat das UKGM zumindest angedeutet, die Hälfte der Summe zurückzuzahlen.