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Organspende:Organspendeskandale nähren Ängste - was ist dran?

Kann man den Ärzten vertrauen?

19 Prozent der von der BZgA Befragten sind der Meinung, dass man dies nicht tun kann. Tatsächlich zeigten die Organspendeskandale an zahlreichen Universitätskliniken, dass sich Ärzte in den vergangenen Jahren nicht immer an die geltenden Regeln gehalten haben. So machten sie ihre Patienten auf dem Papier kränker, als sie in Wirklichkeit waren, damit diese bei der Organvergabe bevorzugt werden. Seit der Aufdeckung dieser Unregelmäßigkeiten hat sich am deutschen Transplantationssystem allerdings viel verändert. Die Kontrollen sind erheblich schärfer geworden.

Wird nicht mehr alles für mich getan, wenn ich Organspender bin?

29 Prozent derjenigen, die sich in der Pronova-BKK-Umfrage gegen eine Organspende aussprachen, befürchten, dass Ärzte Spender eher sterben lassen. Dass dies geschieht, ist sehr unwahrscheinlich. Ärzte, die sich um schwer Schädel-Hirn-Verletzte kümmern, haben meist nichts mit Patienten zu tun, die auf ein Organ warten.

Kann ich auch eingeschränkt zustimmen?

Ja. Auch wenn man "Ja" auf dem Organspendeausweis ankreuzt, kann man dieses auf ganz konkrete Organe beschränken. Ebenso kann man über alle Gewebe einzeln verfügen. Laut der Pronova-BKK-Umfrage wollen 73 Prozent der Spendewilligen alle ihre Organe spenden, 27 Prozent geben eine Auswahl vor. Am größten ist die Bereitschaft bei Nieren und Leber, gefolgt von Herz und Lunge. Am geringsten ist sie bei Geweben, die kein Leben retten.

Bin ich mit 65 Jahren zu alt für eine Spende? Und was ist mit Rauchern?

Früher war der junge verunglückte Motorradfahrer der typische Organspender. Das ist längst nicht mehr so. Zunehmend werden sogar Organe von Hochbetagten verwendet. Heute sind 50 Prozent der Spender über 55 Jahre alt und 30 Prozent über 65. Auch Organe von genesenen Krebskranken und Rauchern sind willkommen. Bei Letzteren ist die Lunge oft nicht transplantabel, wohl aber sind es Nieren, Leber und Herz.

© SZ vom 02.06.2016/moko/fehu
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